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Wolfgang Welsch

Wolfgang Welsch wurde am 1944 in Berlin geboren.
Nach einem vergeblichen Fluchtversuch aus der DDR bei Boizenburg am 22. Mai 1964, wurde der Schauspieler Wolfgang Welsch zu zwei Jahren Haft verurteilt und verbüßte diese im Stasi‑Gefängnis Berlin‑Pankow, im Gefängnis Bautzen und im Zuchthaus Brandenburg. Während der Haft wurde er wegen staatsfeindlicher Hetze und Vorbereitung zur Flucht erneut zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Nach der Haftentlassung begann er eine Arbeit als Assistent bei der DEFA und parallel dazu mit zwei Freunden mit heimlichen Dreharbeiten zu einem Doku‑Film über die SED‑Diktatur. Durch Verrat wurde Welsch neuerlich verhaftet und wegen „Vorbereitung eines Hetz‑Films“ verurteilt. Anklage und Urteil lauteten diesmal auf fünf Jahre Haft wegen Hochverrates.
Im Jahre 1971 zählte Welsch zu den Häftlingen, die auf Initiative von Willy Brandt freigekauft wurden. Er studierte an der Justus‑Liebig‑Universität in Gießen Soziologie und promovierte 1977 in England mit einer Dissertation über das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zum Dr. phil (Ph.D). Zugleich begann Welsch mit dem Aufbau einer Fluchthelferorganisation, die über 200 Menschen bei der Flucht aus der DDR half. Dadurch geriet er erneut in das Visier des MfS. 1973 gelang ihm, ein Memorandum gegen den Beitritt der DDR in die UN beim Generalsekretär zu lancieren. Ins Englische übersetzt, lag es am 18.9.1973 im Plenum der UN. Das MfS eröffnete darauf den Zentralen Operativen Vorgang „Skorpion“ gegen ihn. Mehrere Mordanschläge des MfS in Deutschland, England und Israel überlebte er nur knapp.
Nach anfänglichen Widerständen, setzte Welsch 1993 die Strafverfolgung seiner Verfolger durch. Sein angeblicher Freund wurde als IM und Giftattentäter überführt und 1994 wegen Mordversuchs zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Dessen Führungsoffizier beim MfS/SSD, Generalmajor Dr. Heinz Fiedler, erhängte sich am 15. Dezember 1993 in der Untersuchungshaft im Gefängnis in Moabit, wodurch die eigentlichen Befehlsgeber nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden konnten.
Wolfgang Welsch lebt heute als freier Autor und Publizist in Sinsheim/Baden. Er ist Mitglied des Fördervereins seit 2009.
Welschs Buch „Ich war Staatsfeind Nr. 1“ wurde 2004 unter dem Titel „Der Stich des Skorpion“ unter der Regie von Stephan Wagner verfilmt.


Literaturhinweise:
Welsch, Wolfgang,
Ich war Staatsfeind Nr.1, Als Fluchthelfer auf der Todesliste der Stasi (2001‑2009);
Die verklärte Diktatur, Der verdrängte Widerstand gegen den SED‑Staat (2009).
Mein Widerstand gegen den SED-Staat, 2 DVDs, 95 Min.