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Edda Schönherz

Edda Schönherz wurde 1944 in Bad Landeck (Schlesien) geboren und machte in der DDR eine Ausbildung zur Journalistin, Moderatorin und Ansagerin. Mit dem Beginn des Farbfernsehens in Ostdeutschland im Oktober 1969 wurde sie bald DDR‑weit bekannt. Sie gehörte keiner Partei an und stand den Verhältnissen in der DDR kritisch gegenüber.
Im August 1974, Edda Schönherz war mit ihren beiden Kindern auf Urlaubsreise in Ungarn, erkundigte sie sich in den Botschaften der Bundesrepublik, Großbritanniens und der USA nach Möglichkeiten, die DDR zu verlassen. Ihre Aktion blieb nicht verborgen. Zwei Tage lang hielt der ungarische Geheimdienst Edda Schönherz und ihre Kinder, damals elf und zwölf Jahre alt, in Ungarn fest und verhörte sie. Als die Familie in die DDR zurückkehrte, war die Staatssicherheit bereits informiert. Jede ihrer Bewegungen wurde von nun an penibel von Mitarbeitern der Stasi notiert, ihre Wohnung und das Telefon mit Hilfe von Wanzen abgehört. Am Morgen des 9. Septembers, nur eine Woche nach ihrer Rückkehr aus Ungarn, standen zwölf Stasimänner und eine Frau versammelt am Bett von Edda Schönherz. Sie wurde gebeten, „zur Klärung eines Sachverhalts“ mitzukommen.
Nach einem zweitägigen Verhör in der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin‑Lichtenberg wurde Edda Schönherz nach Berlin‑Hohenschönhausen transportiert, der zentralen Untersuchungshaftanstalt der Stasi. Im Dezember verurteilte man sie wegen „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme“ und „Vorbereitung eines ungesetzlichen Grenzübertritts in besonders schweren Fall“ sowie „Devisenvergehen“ zu drei Jahren Zuchthaus. Nach einem halben Jahr U‑Haft in Hohenschönhausen verbrachte sie zwei weitere Wochen in der Untersuchungshaftanstalt in der Berliner Keibelstraße. Nach dreieinhalb Tagen Fahrt im „Grotewohl‑Express“ gelangte Edda Schönherz nach Hoheneck, dem berüchtigten Frauenzuchthaus der DDR. Ihre Kinder hatte sie in Hohenschönhausen nicht zu Gesicht bekommen und auch in Hoheneck wurde ihr der Kontakt zu ihnen verwehrt. Am 8. September 1977 wurde Edda Schönherz aus der Haft entlassen. Ihre Karriere beim Fernsehen der DDR war beendet.
Nach der Entlassung aus der Haft sollte Edda Schönherz 1977 als Hilfskraft in einer Großbäckerei arbeiten, andernfalls drohte man ihr weitere zweieinhalb Jahre Arbeitserziehungshaft an. Sie fand jedoch eine Anstellung als Fotografin bei der katholischen Kirche in Berlin. Da sie an dem Ausreiseantrag für sich und ihre Kinder festhielt, konnte sie im August 1979 in die Bundesrepublik ausreisen.
Am 12. Dezember 1979 verließen Edda Schönherz und ihre mittlerweile 14‑ und 15‑jährigen Kinder die Deutsche Demokratische Republik. Die Rechnung der Stasi ging allerdings nicht auf, denn nur wenige Monate später stand die mittlerweile 35‑Jährige wieder vor der Kamera. Sie arbeitete in München beim Bayrischen Rundfunk und kehrte 2002 nach Berlin zurück.
Am 13. November 1991 wurde Edda Schönherz von der Intendanz des DFF rehabilitiert. Am 2.Juni 1992 erfolgte die Rehabilitierung durch das Landgericht Berlin. Als Zeitzeugin arbeitet sie seit 2004 und führt Besuchergruppen durch die Gedenkstätte.
Für ihr Engagement für die Aufarbeitung von SED‑Unrecht erhielt sie 2006 das Bundesverdienstkreuz. Mitglied im Förderverein wurde Edda Schönherz im Jahr 2011.