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Mario Röllig

Mario Röllig wurde 1967 in Ost‑Berlin geboren und machte in der DDR eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. Als Homosexueller befreundete er sich im Alter von 17 Jahren mit einem West‑Berliner Politiker. Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) versuchten ihn daraufhin, als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) anzuwerben. Weil er es ablehnte, andere Menschen zu bespitzeln, wurde er massiv unter Druck gesetzt. Im Juni 1987 versuchte er deshalb, über Ungarn nach Jugoslawien zu fliehen. Dabei wurde er verhaftet und dem DDR‑Staatssicherheitsdienst übergeben.
Er kam wegen des „Versuchs des ungesetzlichen Grenzübertritts“ in das Untersuchungsgefängnis des MfS nach Berlin‑Hohenschönhausen. Nach drei Monaten wurde er aufgrund einer allgemeinen Amnestie aus der Untersuchungshaft entlassen und das Gerichtsverfahren mit der Auflage „drei Jahre Bewährung“ eingestellt. Weil persönliche und berufliche Repressalien nicht aufhörten, stellte er schließlich einen Ausreiseantrag, bis er am 8. März 1988 aus der DDR ausgebürgert wurde.
Mario Röllig engagiert sich heute in der „Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS)“ für die Aufarbeitung der SED‑Diktatur. Seine Fluchtgeschichte ist Gegenstand des Theaterstückes „Akte R“, das seit November 2008 im „Theater Strahl“ in Berlin‑Schöneberg aufgeführt wird. Zudem ist sein Schicksal im Dokumentarfilm „Gesicht zur Wand“ dargestellt, der im Jahre 2009 mit dem „Prädikat besonders wertvoll“ sowie „Dokumentarfilm des Monats“ ausgezeichnet wurde.
Mario Röllig lebt in Berlin und führt seit 1999 Besucher durch die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen. Seit 2006 ist er Mitglied des Fördervereins.

Literaturhinweise:
Knabe, Hubertus (Hg.), Die vergessenen Opfer der Mauer. Inhaftierte DDR‑Flüchtlinge berichten, Berlin: List Taschenbuch 2009, S. 55‑57;
Ganz normale Helden. Ein deutsch‑polnisches Jugendprojekt zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Geschichte. Ausstellungskatalog, polnisch deutsch, Kannste auch! e.V.


Michael Krons im Gespräch mit Mario Röllig: IM DIALOG am 2.2.2013