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Hartmut Richter

Hartmut Richter wurde 1948 im brandenburgischen Glindow geboren. Im Januar 1966 versuchte er, über die Tschechoslowakei nach Österreich flüchten. Er wurde gefasst und in das Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Potsdam gebracht. Im Mai 1966 wurde er zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Nach seiner Entlassung versuchte er erneut zu fliehen. Diesmal, im August 1966, gelang ihm dies. In einem tollkühnen Akt schwamm der 18‑jährige durch den Teltow‑Kanal nach West‑Berlin. Nach Amnestie und Transitabkommen von 1972 gelang es ihm, in seinem Auto nach und nach 33 Menschen aus der DDR herauszuschmuggeln. Im März 1975 wurde er verhaftet, als seine Schwester im Kofferraum des Fluchtautos lag, und kam in die Untersuchungshaftanstalt nach Berlin‑Hohenschönhausen. Das Bezirksgericht Potsdam verurteilte ihn im Dezember 1975 wegen „staatsfeindlichem Menschenhandels“ zur Höchststrafe von 15 Jahren. Die Haft verbüßte er in den Strafvollzugsanstalten von Berlin‑Rummelsburg und Bautzen II. Nach über fünf Jahren Gefängnis wurde Hartmut Richter im Oktober 1980 von der Bundesrepublik freigekauft und durfte nach West‑Berlin ausreisen.
Seit 1999 ist er Besucherreferent in der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen, seit 2008 Mitglied des Fördervereins.
Sein Schicksal wurde u.a. in dem Dokumentarfilm „Zersetzung der Seele“ von Nina Toussaint und Massimo Iannetta (Belgien/Deutschland 2002) dargestellt.

Literaturhinweise:
Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen (Hg.), Die vergessenen Opfer der Mauer. Flucht und Inhaftierung in Deutschland 1961‑1989. Berlin. o. J., S. 49‑51;
Klewin, Silke/Wenzel, Kirsten: Wege nach Bautzen II. Biographische und autobiographische Porträts. Dresden 1998, S. 112;
Schute, Claudia (Hg.), Schicksal Bautzen. Politische Häftlinge der SBZ/DDR erzählen ‑ junge Journalisten porträtieren.
Bonn 1998, S. 62 ff