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Siegfried Reiprich

Siegfried Reiprich wurde 1955 in Jena geboren. Er war Gründungsmitglied des von Lutz Rathenow 1973 ins Leben gerufenen "Arbeitskreis Literatur und Lyrik" in Jena. Im selben Jahr machte er das Abitur. Danach begann er in Jena ein Studium an der Sektion Marxistisch‑Leninistische Philosophie. Von einer inoffiziellen Mitarbeiterin des MfS bei der Parteileitung denunziert, wurde er in tribunalartigen Verfahren wegen „skeptischem Existentialismus“, „Kritik an den Maßnahmen der Bruderarmeen der Warschauer‑Pakt‑Staaten anlässlich der konterrevolutionären Ereignisse in der CSSR 1968“, Solidarität mit seinem Freund Jürgen Fuchs, und „Bildung einer konterrevolutionären Plattform“ aus der Leitung der FDJ ausgeschlossen, vor den Disziplinarausschuss gestellt und im März 1976 zum „Ausschluss vom Studium an allen Universitäten, Hoch‑ und Fachschulen der DDR“ verurteilt.
Nach der Exmatrikulation arbeitete er als Hilfsarbeiter in der Glasschneiderei des VEB Jenaer Glaswerke Otto Schott & Gen, protestierte gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und engagierte sich im Untergrund. Von einem Studium der Feinwerktechnik an der Ingenieursschule Jena, welches er 1979 begonnen hatte, wurde er 1980 erneut aus politischen Gründen ausgeschlossen.
Im Ergebnis eines Verhörs durch Offiziere des MfS wurde er genötigt, die DDR zu verlassen und siedelte 1981 mit seiner Frau Christine nach Berlin (West) über. Die „staatsfeindliche Gruppe“ war „aus entspannungspolitischen Gründen“ nicht eingesperrt, sondern ausgebürgert worden; einen IM hatte man gleich mitgeschickt.
Im Westen angekommen engagierte sich Reiprich in der Friedensbewegung. Von 1981 bis 1983 war er Mitglied im Arbeitskreis atomwaffenfreies Europa in West‑Berlin und solidarisierte sich mit der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. 1983 trat er in die SPD ein, auch, um die Politik Helmut Schmidts in der NATO‑Nachrüstung zu unterstützen. Von 1982 bis 1990 studierte er mit Unterstützung der Friedrich‑Ebert‑Stiftung an der Christian‑Albrechts‑Universität zu Kiel Ozeanographie und Geophysik und war von Dezember 1986 bis März 1988 in der Antarktis auf der Georg‑von‑Neumayer‑Station des Alfred‑Wegener‑Instituts für Polar‑ und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Auch im Westen stand er unter Beobachtung der Stasi und war noch bis nach dem Mauerfall 1989 mit einem Einreiseverbot in die DDR belegt. Von 1990 bis 1997 arbeitete Reiprich im deutsch‑türkischen Erdbebenforschungsprojekt der Christian‑Albrechts‑Universität Kiel und im GeoForschungsZentrum Potsdam. 1992 trat Reiprich aus Protest gegen die Behandlung des Falles Stolpe aus der SPD aus. 1998 trat er gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern der CDU bei.
Seit 2001 arbeitete Reiprich als Referent für politische Bildung sowie als Datenschutzbeauftragter und seit 2007 als stellvertretender Direktor der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen. Er engagiert sich in verschiedenen Vereinen und Initiativen für die Belange der Opfer des SED‑Staates.
Am 23. April 2009 wurde Reiprich vom Stiftungsrat zum Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten gewählt. Seine Ernennung erfolgte am 8. Dezember 2009.
Seit März 2011 ist Siegfried Reiprich Mitglied des Fördervereins Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen.


Literaturhinweise:
Siegfried Reiprich,
‑ Der verhinderte Dialog. Meine politische Exmatrikulation. Eine   Dokumentation, Schriftenreihe des Robert‑Havemann‑Archivs,
  Berlin 1996.
‑ Die linke Opposition in der DDR als eigene Größe zwischen Prag 1968   und westeuropäischer Studentenrevolte, in: Geschichtswerkstatt   Jena (Hg.): Linke Opposition DDR und undogmatische Linke in der   BRD, Dokumentation einer Tagung von Friedrich‑Ebert‑Stiftung und   Heinrich‑Böll‑Stiftung,   Jena 1996, S. 37‑54.
‑ Stasi in der Offensive ‑ der 14. März 2006 in   Berlin‑Hohenschönhausen, in: Gerbergasse 18. Thüringer   Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik, Heft 41 II/2006.
‑ Zu den Mechanismen ideologischer Disziplinierung an   DDR‑Universitäten, in: Deutscher Hochschulverband (Hg.):   Zeitzeugen berichten. Wie die DDR die Universitäten unterdrückte,   Forum des Hochschulverbandes Heft 67 (März 1999).
‑ Eroberung und Konsolidierung der Macht ‑ zwei Phasen in der   Geschichte der Stasi, in: Karsten Dümmel, Christian Schmitz (Hg.):   Was war die Stasi? Einblicke in das Ministerium für Staatssicherheit   der DDR (MfS), Sankt Augustin 2002.
‑ Aufbau Ost: Geld statt Geist, in: liberal 3/2004.
‑ Vakuum und nostalgische Legendenbildung. Vom Umgang mit der   DDR‑Geschichte an der Berliner Schule., in: Zeitschrift des   Politisch‑Akademischen Clubs e. V. Neue Folge Nr. 15 (75) 2006.