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Wolfgang Mayer

1950 geboren, Kindheit und Schule im Vogtland; bis 1975 Pädagogikstudium an der Martin‑Luther‑Universität Halle,
Abschluss: Diplomlehrer; bis 1986 Lehrer für Mathematik und Polytechnik in Ilmenau und Hildburghausen (Thüringen).
Wolfgang Mayer gehörte zu den wenigen Lehrern, die sich wagten, Mitte der 80‑er Jahre einen Ausreiseantrag zu stellen. Nach Stellung des Antrages erfolgte die sofortige fristlose Entlassung aus dem Schuldienst mit anschließendem Berufsverbot. Zusammen mit gut 50 anderen Ausreisewilligen bildete er eine oppositionelle Gruppe, die durch viele Aktionen zunächst im Südthüringer Raum auffiel. Nach Besetzung der dänischen Botschaft in Ost‑Berlin 1988 erfolgte die Verhaftung durch das MfS. In einer einmaligen Nacht‑ und Nebelaktion lieferte der Botschafter die 18‑köpfige Gruppe von Antragstellern aus Ilmenau an die Stasi aus. Aufgrund zahlreicher Medienberichte wurden die Haftstrafen in zwei‑ bis dreijährige Bewährungsstrafen umgewandelt, so dass die Botschaftsflüchtlinge nach fünf Wochen aus der Stasi‑Untersuchungshaftanstalt Berlin‑Hohenschönhausen wieder auf freien Fuß gelangten. Der bekannt gewordenen Fall entwickelte eine solche Dynamik, dass viele weitere Botschaftsfluchten folgten. Budapest, Warschau und Prag setzten der DDR im Spätherbst 1989 schließlich das Ende.
Im März 1989 erfolgte die Ausweisung in die Bundesrepublik.
Danach Lehrer beim "Internationalen Bund" in Frankfurt am Main, journalistische Tätigkeit bei der "Rheinzeitung" Koblenz.
1994/95 Mitarbeiter der CDU‑Bundesgeschäftsstelle in Bonn, Grundsatzabteilung/Politische Planung. Ende 1995 Wiedereinstellung in den Schuldienst; parallel dazu Politikstudium an der Rheinischen Friedrich‑Wilhelms‑Universität Bonn mit anschließender Promotion (2002 / Philosophie, Erziehungswissenschaft, Psychologie).
2007 Übernahme in den höheren Dienst.
Mayer ließ das Thema Flucht und Ausreise nicht mehr los. Zahlreiche Presseartikel, Vorträge und Buchlesungen im In‑ und Ausland beschäftigen sich mit dem Thema.
Auf seiner Webseite   http://www.flucht-und-ausreise.de   bietet er seit Jahren politisch Verfolgten und Häftlingen der ehemaligen DDR ein Diskussionsforum. Er ist seit 2011 Mitglied des Fördervereins.


Literaturhinweise:
Wolfgang Mayer,
‑ Dänen von Sinnen (Dokumentarband),
  Anita Tykve Verlag, Böblingen 1990, 516 Seiten.
‑ Die mit dem Storch zogen (Dokumentation),
   Anita Tykve Verlag, Böblingen 1992, 176 Seiten.
‑ Flucht und Ausreise. Botschaftsbesetzungen als Form des
  Widerstands gegen die politische Verfolgung in der DDR
  (Dokumentarband), Anita Tykve Verlag, Berlin 2002, 728 Seiten.
‑ Flucht und Ausreise als Form des Widerstands,
   in: 14. Buchenwald‑Gespräch: Repression und Haft in der
  SED‑Diktatur und die "gekaufte Freiheit"; Konrad‑Adenauer‑Stiftung,
  St. Augustin 2004.
‑ Fluchtpunkt Ständige Vertretung; Deutschland Archiv,
  W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2004.
‑ Flucht und Ausreise als Form des Widerstandes gegen die
  politische Verfolgung in der DDR, in: Timmermann, Heiner:
  Historische Erinnerung im Wandel, LIT Verlag,
  Berlin‑Münster‑Wien‑Zürich‑ London 2007.
‑ Die bundesdeutschen Botschaften in Budapest und Prag vor und
  während des Herbstes 1989; Deutschland Archiv,
  W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2009.