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Uwe W. Hädrich

Geboren am 20. August 1945 in St. Gangloff/Thüringen, damals Sowjetische Besatzungszone. Verheiratet seit 1968, zwei Kinder, vier Enkelkinder. Nach Abitur 1964 in Stadtroda/Thüringen und NVA‑Dienst Studium der Ökonomie des Binnenhandels an der Handelshochschule Leipzig.
Von 1967 an war er in verschiedenen Aufgabengebieten bei der Konsumgenossenschaft, in Landkreis und Bezirk verantwortlich für die „Versorgung der Bevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs und Industriewaren“. Nach drei Jahren als Finanz‑ und Investitions‑ Abteilungsleiter im Gesundheitswesen in Berlin‑Marzahn wurde er ab 1982 in der Generaldirektion des volkseigenen Einzelhandels [HO] der DDR mit 213.000 Mitarbeitern landesweit stellvertretender Generaldirektor.
Je näher er den hohen Funktionären der SED kam, umso klarer wurde die umfassende Verlogenheit der Parteiideologen. Schließlich informierte sich das Ehepaar Hädrich am 2. Mai 1989 in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Budapest über Möglichkeiten der Ausreise aus der DDR. Zu dieser Zeit gab es noch keine Botschafts‑ flüchtlinge dort, jedoch ein Informant des Ministeriums für Staats‑ sicherheit in der Botschaft übte Verrat.
Die Familie kehrte in die DDR zurück und wurde mit Zersetzungs‑ methoden des MfS überzogen: drei Mal illegale Wohnungsdurch‑ suchungen, Verwanzung der Wohnung, Abhören des Telefons, direkte persönliche Beschattung aller Familienmitglieder usw.
Am 13. September 1989 wurden Hädrich, seine Ehefrau, die Tochter direkt aus dem Unterricht der 12. Klasse der Albert‑Einstein‑ Oberschule in Berlin‑Marzahn, der Sohn und die damals 68‑jährige Tante aus einem Alten‑ und Pflegeheim in Berlin‑Hellersdorf gleichzeitig verhaftet. Die Eheleute wurden in die Zentrale Untersuchungshaftanstalt des MfS nach Berlin‑Hohenschönhausen verbracht und nach 98 STGB der DDR „Spionage für eine fremde Macht“ und 213 „Republikflucht im schweren Fall“ [sie waren ja bereits auf dem Territorium des Gegners (= Botschaft) gewesen] angeklagt.
Nach 8‑ und 12‑stündigen Verhören wurden Kinder und Tante aus der Haft entlassen. Konsequenzen: Die Tochter wurde von der „EOS“ verwiesen. Der Sohn verlor seinen Arbeitsplatz. Außerdem wurden das Bankkonto gesperrt und der PKW beschlagnahmt. Anwalt Prof. Dr. Vogel eröffnete Hädrich, dass er mit 15 Jahren Bautzen II zu rechnen habe.
Am 07. Dezember 1989 [vier Wochen nach dem Fall der Mauer] wurde Hädrich aus dem Stasi‑Knast nach Hause gebracht, allerdings das Ermittlungsverfahren in seiner Wohnung weitergeführt. Der gleiche Vernehmer erschien am 22. Dezember 1989 letztmalig in Hädrichs Wohnung. Das Ermittlungsverfahren wurde am 16. Januar 1990 eingestellt, aber nicht aufgehoben. Das erfuhr Hädrich allerdings erst am 14. März 1990 vom Militärstaatsanwalt in Ost‑Berlin.
Nach der friedlichen Revolution arbeitete Hädrich in verschiedenen Handelsunternehmen als Niederlassungsleiter und Expansionsleiter.
Laut BStU und den Unterlagen in der Gedenkstätte gehörte der damals 44jährige zusammen mit seiner Frau Eveline zu den letzten politischen Gefangenen der SED‑Diktatur.
Seit 2006 engagierte er sich als Mitglied des Fördervereins und lebte als Ruheständler zuletzt in Augsburg.
Uwe Hädrich hat jede Gelegenheit genutzt, um die Öffentlichkeit auf das Schicksal der politischen Gefangenen der DDR aufmerksam zu machen, so beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen im Mai 2009.
Der Förderverein trauert um sein Mitglied. Er verstarb am 27. Juli 2011.