Die Preisträger 2016:

der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu

und der Verein Doping‑Opfer‑Hilfe e.V.




Von links: Preisträger 2016 Liao Yiwu und Marion Vogel, Doping‑Opfer‑Hilfe e.V.,      
Laudatorin Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlandes, und Dr. Jörg Kürschner, Vorsitzender des Fördervereins, Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Christine Sauerbaum‑Thieme, Schatzmeisterin und Hubertus Fedke,   stellv. Vorsitzender des Fördervereins.                                                                          


>>> Video "Preisverleihung Hohenschönhausen‑Preis 2016" (1:32:31):

Der Förderverein der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen verleiht alle zwei Jahre einen    
Aufarbeitungspreis. Erleben Sie in einer Videoaufzeichnungen den Festakt zur             
Verleihung des Hohenschönhausen‑Preises 2016.                         

Presseinformation zum Hohenschönhausen‑Preis 2016 (pdf, 54 kb)

Auszug:
„... Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu hat sich unter hohem persönlichem Risiko für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit in der Volksrepublik China engagiert. In Büchern, Gedichten und Zeitungsartikeln prangert er die Verbrechen des kommunistischen Regimes in China an, das trotz seiner wirtschaftlichen Öffnung am Einparteiensystem, an politischer Unterdrückung und flächendeckender Zensur festhalte. Liao Yiwu hat sich dabei in besonderer Weise um die Aufarbeitung der schrecklichen Geschehnisse während der chinesischen Kulturrevolution und der Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking verdient gemacht. Er hat dafür einen hohen Preis bezahlt, da er mehrere Jahre im Gefängnis verbrachte und bis heute Zersetzungsmaßnahmen der chinesischen Geheimpolizei ausgesetzt ist.
Liao Yiwu, der seit 2011 im deutschen Exil lebt, engagiert sich auch von Deutschland aus für die Durchsetzung der Demokratie in seiner Heimat und wurde 2012 bereits mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.”...




Preisträger Liao Yiwu                 Marion Vogel; Preisträger Doping‑Opfer‑Hilfe e.V.      

„...Die Initiative Doping‑Opfer‑Hilfe e.V. und deren Vorsitzende Ines Geipel erhalten den Hohenschönhausen‑Preis für ihre Aufklärungsarbeit über das systematische Staatsdoping in der DDR. Wie die Jury in ihrer Begründung hervorhebt, gab es Staatsdoping in allen kommunistischen Diktaturen in Europa, aber nirgendwo seien die Machenschaften von Sportfunktionären, Staatssicherheitsdienst und politischer Führung so umfassend aufgeklärt worden wie in Deutschland. Der Verein und deren Vorsitzende Ines Geipel hätten einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, deutlich zu machen, mit welchen skrupellosen Methoden die SED‑Führung aus Prestigegründen sportliche Erfolge der DDR erzwungen habe. Nicht zuletzt dank ihrer Aufklärungsarbeit seien 2002 und 2016 Doping‑Opfer‑Hilfe‑Gesetze in Kraft getreten, die hunderten Betroffenen erstmals Unterstützung zukommen ließen.

Nach Ansicht der Jury ist das Thema Staatsdoping bis heute von trauriger Aktualität. Wie die Affäre um das systematische Doping in Russland im Vorfeld der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 gezeigt habe, gehe es dabei nicht nur um Betrug und das Erschleichen von Medaillen, sondern vor allem um die skrupellose Ausbeutung der Gesundheit von jungen Sportlern durch ein autoritäres staatliches System. Die Initiative Doping‑Opfer‑Hilfe e.V. und deren Vorsitzende Ines Geipel würden durch ihre Arbeit auch dazu beitragen, dass sich die Vorstellung, dass sportliche Siege jeden Preis rechtfertigten, in Deutschland nicht erneut durchsetzen können.”


 

Laudatio durch MP'in Annegret Kramp-Karrenbauer    Begründung der Jury Dr. Hubertus Knabe


Begründung der Jury zur Verleihung des 5. Hohenschönhausen‑Preises von Dr. Hubertus Knabe anlässlich der Verleihung des Hohenschönhausen‑Preises 2016
als Download (pdf, 128 kb)

Auszug:
„... Der Hohenschönhausen‑Preis setzt sich zum Ziel, Persönlichkeiten auszuzeichnen, die sich in herausgehobener Weise um die kritische Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur verdient gemacht haben.
Wie in den vergangenen Jahren erreichte die Ausschreibung eine hohe Resonanz.


Der Festsaal in der Saarländischen Landesvertretung war bis auf den letzten Platz gefüllt.        

96 Personen haben einen Vorschlag eingereicht, darunter eine Reihe prominenter Persönlichkeiten wie die Schriftstellerin Herta Müller, die Kultur- und Wissenschaftsministerin des Landes Brandenburg, Dr. Martina Münch, die CDU-Bundestagsabgeordneten Heike Brehmer, Klaus-Peter Willsch, Christian Haase und Michael Brand, und die Brandenburgische Landesbeauftragte für Diktaturaufarbeitung, Ulrike Poppe. Auch zahlreiche Angehörige von Aufarbeitungseinrichtungen, Verfolgtenverbänden, politischen Stiftungen sowie interessierte Einzelpersonen reichten Vorschläge ein. Darüber hinaus gab es auch eine Reihe von Eigenbewerbungen von zum Teil langjährigen Unterstützern der Aufarbeitung des Kommunismus.
Insgesamt wurden 53 Personen für den Hohenschönhausen‑Preis nominiert. Die Biographien der Vorgeschlagenen legen Zeugnis davon ab, wie viele Menschen sich auf ganz unterschiedlichen Gebieten für die Aufarbeitung der Vergangenheit einsetzen.


Von links: Preisträger 2016 Liao Yiwu, Übersetzerin Karin Betz, überreichtes Portrait                                 

Die größte Gruppe unter den Nominierten bildeten Personen, die schon zu DDR-Zeiten das SED-Regime bekämpften. Viele von ihnen bemühten sich seit dem Ende der DDR aktiv um die Aufarbeitung der politischen Verbrechen. Eine zweite Gruppe stellten Persönlichkeiten dar, die sich nach 1989 mit großem Engagement der Vergangenheitsbewältigung verschrieben ‑ aus politischen, ethischen oder persönlichen Gründen. Eine dritte Gruppe bestand aus Wissenschaftlern, Autoren und Journalisten, die mit einzelnen Werken, Forschungen oder regelmäßigen Beiträgen einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung leisteten.
Für die Jury ist diese Fülle an Vorschlägen Freude und Fluch zugleich. Es fiel ihr auch in diesem Jahr schwer, zwischen den Nominierten zu gewichten und sich für eine Person zu entscheiden. Deswegen wurde der Hohenschönhausen‑Preis erneut geteilt.
In der Diskussion der Jury zeichnete sich relativ schnell ab, dass sie in diesem Jahr besonders Menschen würdigen wollte, die sich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Gegenwart des Kommunismus und seiner Folgen befassen. Das Votum der Jury fiel deshalb auf den chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu, der wegen eines Gedichtes über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Frieden in China vier Jahre in Haft war und seit 2011 im deutschen Exil lebt. Nach Auffassung der Jury hat sich Liao Yiwu in besonderer Weise um die Aufarbeitung der chinesischen Kulturrevolution und der Niederschlagung der Studentenproteste in Peking verdient gemacht.
Mit der Auszeichnung wollte sie nicht nur einen großen Schriftsteller würdigen, sondern auch deutlich machen, dass der Kommunismus leider noch nicht Geschichte ist.

Festrede des Preisträgers Liao Yiwu:
Die Kultur des Erinnerns nach dem Tiananmen-Massaker
anlässlich der Verleihung des Hohenschönhausen‑Preises 2016 als Download (pdf, 219 kb)



Von links: Laudatorin Annegret Kramp‑Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlandes    
und die Leiter der Gedenkstätte beim Empfang nach der Veranstaltung                

Die Jury wollte aber auch den Verein Doping‑Opfer‑Hilfe und seine Vorsitzende, Ines Geipel, würdigen, die sich mit großem Engagement um die Opfer des DDR-Staatsdoping kümmern. Nach Meinung der Jury hat der Verein damit nicht nur den Opfern geholfen und ein lange verdrängtes Thema auf die Tagesordnung der aktuellen Politik gesetzt. (Erst vor wenigen Monaten hat der Bundestag das zweite Dopingopfer-Hilfegesetz beschlossen, mit dem ein Fonds für DD‑Dopingopfer geschaffen wurde.) Der Verein hat mit seinem Engagement auch hat einer breiten Öffentlichkeit bewusst gemacht, dass die sportlichen Erfolge, für die mancher die DDR bis heute bewundert, nur durch rücksichtlose Ausbeutung der Körper der Sportler möglich wurden. Diesen, nur auf den ersten Blick unpolitischen Beitrag zur Delegitimierung des SED-Sozialismus fand die Jury besonders hervorhebenswert...”


Blumen für den Preisträger 2016 Liao Yiwu, Übersetzer                         
                        
(Fotos: Katja-Julia Fischer, Stefan Lauter, Hubertus Fedke)





Preisträger 2014:

Dr. h.c. Reiner Kunze, Dichter

Sonderpreis „Menschenrechtszentrum Cottbus”



Von links: Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhause,                       
Sylvia Wähling,Geschäftsführerin des Menschenrechtszentrums Cottbus,                           
Elisabeth Kunze und Preisträger 2014 Dr. h. c. Reiner Kunze ,                          
Laudator Dr. Reiner Haseloff, der Ministerpräsident von Sachsen‑Anhalt                          
und Dr. Jörg Kürschner, Vorsitzender des Fördervereins.                                          


Presseerklärung zur Preisverleihung 2014 als Download (pdf, 55 kb)
Auszug:
„...Nach Ansicht der unabhängigen Jury hat der 1933 im sächsischen Oelsnitz geborene Preisträger Reiner Kunze in vorbildlicher Weise zur Aufarbeitung der SED‑Diktatur beigetragen. Bereits zu DDR‑Zeiten habe er mit Werken wie „Sensible Wege” (1969) und „Die wunderbaren Jahre” (1976) den Unrechtscharakter der kommunistischen Diktatur offengelegt... Nach der Friedlichen Revolution habe Kunze als einer der ersten deutschsprachigen Autoren mit der Aufarbeitung der SED‑Diktatur begonnen, indem er unter dem Titel „Deckname Lyrik” (1990) Auszüge seiner 3500 Blatt umfassenden Stasi‑Akte veröffentlicht habe...
Die Jury zeichnete den Verein „Menschenrechtszentrum Cottbus” mit einem Sonderpreis für seine Bemühungen aus, in dem größten DDR‑Gefängnis für politische Gefangene eine Gedenkstätte zu schaffen. In einer bundesweit einmaligen Initiative hätten ehemalige DDR‑Häftlinge ihre leer stehende Haftanstalt gekauft und aus eigener Kraft darin eine professionelle Dauerausstellung über politische Haft im Zuchthaus Cottbus errichtet... Da die Finanzierung der Gedenkstätte bislang völlig ungesichert sei, wollte die Jury mit der Verleihung des Preises auch ein Zeichen setzen, damit die Bundesregierung, das Land Brandenburg und die Stadt Cottbus ihrer Verantwortung für die Erhaltung des Erinnerungsortes gerecht würden.”


Begrüßung Dr. Jörg Kürschner              Begründung der Jury Dr. Hubertus Knabe         


Dr. Reiner Haseloff
Ministerpräsident von Sachsen‑Anhalt
Laudatio von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff anlässlich der Verleihung des Hohenschönhausen‑Preises 2014 an Reiner Kunze und des Sonderpreises an das Menschenrechtszentrum Cottbus als Download (pdf, 170 kb)
Auszug:
...„Nicht wenige Menschen sehen in der Wiedervereinigung die einzige Hoffnung, dass, wenn nicht sie selbst, so doch vielleicht ihre Kinder oder Kindeskinder jene Grundfreiheiten erlangen, die ihnen heute verweigert werden.” Reiner Kunze äußerte diesen Wunsch 1982. Sicherlich dachten damals auch die späteren Mitglieder des Menschenrechtszentrums Cottbus so. Es war ein mutiges Bekenntnis. Denn von einer Wiedervereinigung wollten damals die wenigsten etwas wissen. Viele Deutsche hatten sich mit der Teilung arrangiert. Reiner Kunze zählte nicht zu ihnen. Er rüttelte mit seinen Versen und seiner Prosa an den Steinen der Mauer. Mit den Waffen des Dichters schlug er die ersten Brocken aus diesem monströsen Bollwerk heraus. Reiner Kunze wurde zu einem der poetischen Wegbereiter der deutschen Einheit. Worte können verändern. Sie entfalten Kraft. Sie können Mut machen und Hoffnung geben. „Wenn die Welt eines Menschen dunkel wird, liest er ein Buch und sieht eine andere Welt”, schrieb der israelische Nobelpreisträger Schai Agnon... Nachdenkliche Worte fand Reiner Kunze in seinem späteren Gedicht „Die Mauer”. „Wir ahnten nicht, wie hoch sie ist in uns”, heißt es gleich zu Beginn. Das Zusammenwachsen nach 40 Jahren Trennung erwies sich als schwierig. Nicht alles glückte. Aber ebenso deutlich haben Sie den Wert der Freiheit betont. Freiheit bekomme man nicht ohne Gegenleistung. Und wörtlich: „Eine verwaltete Freiheit. Eine bequeme Freiheit. Da kann ich nur sagen: Nichts ist unbequemer als die Freiheit. Aber auch nichts ist begehrenswerter.”
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit. Diese Wahrheit offenbart sich auch beim Besuch des größten Gefängnis für politische Gefangene in der DDR: dem Zuchthaus Cottbus. Seine Geschichte ist bislang wenig erforscht. Wie viele Häftlinge hier nach 1945 inhaftiert waren, ist nicht bekannt. Seine Kapazität war auf 600 Plätze ausgelegt. Zeitweise saßen doppelt so viele Menschen hier ein. Aber was sagen abstrakte Zahlen über konkrete Schicksale aus? Sie verraten uns nichts darüber, wie jeder einzelne gelitten hat. Sie sagen nichts darüber aus, wie die Strafe ihn und seine Familie traf. Hinter jeder Zahl verbirgt sich eine menschliche Tragödie.... Der unverstellte Blick auf die Machtmechanismen der kommunistischen Diktatur macht nachdenklich. Die DDR ist zwar Geschichte. Aber diese Geschichte liegt gerade einmal eine Generation zurück. Und doch erscheint die 1989 in Europa gewonnene politische Freiheit als allzu selbstverständlich. Aber sie war es weder vor 1989 noch ist sie es gegenwärtig. Die DDR ist keine abgelegene oder gar abgelegte Geschichte und kein erratischer Block. Ihre Geschichte ist und bleibt für das Verständnis unserer Gegenwart wichtig. Deshalb ist die Arbeit des Menschenrechtzentrums Cottbus von großer Bedeutung für unsere Gesellschaft. Erinnerungsarbeit und Zukunftsgestaltung müssen zusammen gedacht werden. Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber man muss es vorwärts leben. Verbrechen und Irrtümer müssen klar benannt werden.
„Vergangenheit nicht zu kennen, kann die Zukunft kosten.” Diese Mahnung stammt von Reiner Kunze. Es ist ein Satz in bester aufklärerischer Tradition. Geschichte verpflichtet. Sie legt uns Verantwortung auf. Wir können uns ihr nicht entziehen. Nach diesen Maximen haben ehemalige Häftlinge des Zuchthauses Cottbus gehandelt. Sie haben das Gefängnis gekauft und in eine Gedenkstätte verwandelt. Das dürfte weltweit wohl einmalig sein. Aus einem Ort der Unmenschlichkeit und der Willkür wurde ein Ort des Gedenkens. Hier wird Geschichte erlebbar. Hier erfährt man den Wert der Freiheit und wird sich ihrer bewusst. Wir leben mit und aus unserer Geschichte. Die schwere Erbschaft einer besonderen Verantwortung müssen wir annehmen. Das Menschenrechtszentrum Cottbus hat sich dieser Verantwortung gestellt und wird dafür heute mit dem Sonderpreis ausgezeichnet. Seine Mitglieder haben sich in besonderer Weise um die Gedenkstättenarbeit verdient gemacht. Zur Auszeichnung gratuliere ich ganz herzlich...”




Laudatio durch MP Dr. Reiner Haseloff          Dank für den Sonderpreis 2014 Sylvia Wähling      

Rede von Sylvia Wähling, Geschäftsführende Vorsitzende
des Menschenrechtszentrums Cottbus e.V. und
Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
als Download (pdf, 78 kb)

Auszug:
„...Gerade deshalb ist das Menschenrechtsthema der Leitgedanke unserer Arbeit ‑ das Verständnis für die eigenen Menschenrechte aber auch die unterdrückter Menschen irgendwo auf der Welt zu wecken. In unserer Bildungsarbeit behandeln wir mit modernen kreativen, interaktiven und erlebnisorientierten Methoden und unter Einbindung der Kunst und Kultur diese schwerwiegenden und vielfach unfassbaren Themen... Die entstandene Gedenkstätte ist ein außerordentlich gutes Beispiel für ehrenamtliches, kreatives und zukunftsgewandtes bürgerschaftliches Engagement. Im April dieses Jahres konnten wir mit Hilfe der rbb Sendung „96‑Stunden” unsere erste Etage sanieren... 489 einzelne Bürger aus Cottbus waren bei uns, die in irgendeiner Form sich innerhalb von 4 Tageingebracht haben, damit unsere erste Etage saniert wird. Firmen, die nicht nur aus der Region, sondern von sonst woher kamen, haben Geld, Material oder Arbeitsleistung gespendet. Wir reden hier von 400 qm, die komplett aus Spenden und mit ehrenamtlichem Engagement saniert wurden. Kein einziger Cent an öffentlichen Geldern ist da rein geflossen. Jetzt ist eine Etage für unsere Bildungsarbeit entstanden...”




Festansprache des Preisträgers 2014 Dr. h. c. Reiner Kunze                                  


Festansprache von Dr. h. c. Reiner Kunze anlässlich der Verleihung des Hohenschönhausen‑Preises 2014
als Download (pdf, 16 kb)

Auszug:
„... mit dem Hohenschönhausen‑Preis ausgezeichnet zu werden, hat mich sehr überrascht, denn es gibt viele Menschen, die sich in unvergleichlich schlimmeren Situationen bewähren mussten als ich. Ich verneige mich vor ihnen und bitte sie, nicht nur sich als mitausgezeichnet zu empfinden, sondern auch, mich unter Ihresgleichen zu dulden.
Ich danke ihnen und der Jury mit großem Respekt. Das Preisgeld wird lediglich das Konto wechseln, nicht die Sinngebung.
Nach unserem Tod soll unser Haus in ein Ausstellungshaus umgewandelt werden. Das von uns in der DDR und in der Bundesrepublik Erlebte, der Hintergrund, aus dem die Bücher hervorgegangen sind also, soll anhand von Schrift‑, Ton‑ und Bilddokumenten, Kunstwerken und anderem Anschauungsmaterial sichtbar werden. Wir möchten mit dem Haus noch etwas hinterlassen, das der Verklärung jüngster Vergangenheit entgegenwirkt und Antikörper bilden hilft gegen ideologische Indoktrination ...
Der Geldbetrag des Hohenschönhausen‑Preises 2014 wird in voller Höhe der Reiner und Elisabeth Kunze‑Stiftung zugutekommen. Ich danke dem Förderverein Gedenkstätte Hohenschönhausen nicht nur als Preisträger, sondern auch als Stiftungsvorstand, und meine Frau dankt mit ...



Elisabeth und Dr. h.c. Reiner Kunze, Akteure der Preisverleihung 2014, Mitglieder und Gäste                                  

(Fotos: Helge Dietrich und Katja‑Julia Fischer, Hubertus Fedke)





Preisträger 2012:

Dr. h. c. Erich Loest, Schriftsteller

Sonderpreis für den Journalisten Sven Felix Kellerhoff




Symbolische Schecks für Erich Loest und Sven Felix Kellerhoff                           

Juryentscheidung über den Hohenschönhausenpreis 2012
als Download (pdf, 51 kb)





Begründung Dr. Hubertus Knabe                 Laudatio Dr. Hermann Otto Solms          

Dr. Hermann Otto Solms, MdB
Bundestagsvizepräsident.
Laudatio für Erich Loest und Sven Felix Kellerhoff,
Preisträger des Hohenschönhausen‑Preises 2012 als Download (pdf, 87 kb)

Auszug:
„...Erich Loest und Sven Felix Kellerhoff gebührt dieser Preis wahrhaftig. Weil sie sich gegen die Verharmlosung stemmen, und den Verharmlosern die Deutungshoheit entziehen.
Gerade unter den Jüngeren nimmt das Wissen um die krude, ja menschenverachtende Durchdringung der Gesellschaft durch das Ministerium für Staatssicherheit ab. Das halte ich für gefährlich. Wir sind es den Opfern, den Oppositionellen, den unschuldig Inhaftierten, den Menschen mit „beschädigten Lebenswegen“ (Zitat Kellerhof) und jenen, die an der Grenze ihr Leben ließen, schuldig, die Taten des Molochs Stasi im öffentlichen Bewusstsein wach zu halten. Als mahnendes Beispiel! Es ist ja nicht so, dass es sich beim Stasi‑Komplex um ein abgeschlossenes Kapitel deutsch‑deutscher Geschichte handelt, das nun im Nachgang aufgearbeitet wird. Nein! Das Gewesene wirkt fort! Also heißt es wachsam sein....“


                              
Sven Felix Kellerhoff                              Preisträger 2012 Dr. h.c. Erich Loest          

Rede von Sven Felix Kellerhoff
Der Historiker und Journalist dankte dem Förderverein für die Auszeichnung mit einem Ehrenpreis. Es sei eine große Ehre, gemeinsam mit Erich Loest an diesem Tage eine solche Auszeichnung zu erhalten.
Die Aufarbeitung sei noch längst nicht abgeschlossen. Vielmehr gebe es noch viele Geschichten zu heben.
Ein Beispiel sei die Tatsache, dass kürzlich, also 22 Jahre nach der Wiedervereinigung, 15 Fluchthelfer verdientermaßen das Bundesverdienstkreuz erhalten hätten. Ein anderer wichtiger Punkt sei, mit bestimmten Begriffen nicht fahrlässig umzugehen. Zum Beispiel dürfe man einen Begriff wie „Stasi‑Untersuchungshaft“ nur sehr vorsichtig verwenden. „Untersuchungshaft“ sei immer ergebnisoffen, für die Betroffenen der Untersuchung könne sie mit einem positiven oder einem negativen Ergebnis enden. „Stasi‑Haft“ sei aber etwas völlig anderes gewesen. Denn hier habe fast immer schon vorher festgestanden, dass die Gefangenen verurteilt würden. Ergebnisoffen sei diese Art von „Ermittlungen“ eben nicht gewesen. Allgemein bekannt sei ja, wer den Begriff „Wende“ für die Vorgänge im Herbst 1989 eingeführt habe ‑ Egon Krenz nämlich am 18. Oktober 1989. Deshalb solle man, so Kellerhoff, dieses Wort besser vermeiden. Man könne stattdessen treffender von der „Friedlichen Revolution“ sprechen.
Man solle in der Diskussion um die Aufarbeitung der DDR auch darauf achten, nicht falsche Eindrücke zu erwecken. So habe kürzlich ein Teilnehmer einer Tagung in Erfurt den Eindruck erweckt, die Sowjetischen Militärtribunale der frühen Jahre bis 1947 hätten einen einigermaßen rechtsstaatlichen Charakter gehabt. Kellerhoff: „Die Tribunale sprachen nicht Recht, sondern Unrecht. Das muss man klar so nennen.“
Ein weiteres, besonders schwieriges Problem habe sich beim gerade zu Ende gegangene 5. Hohenschönhausen‑Forum gezeigt. Hier war die Frage diskutiert worden, ob die juristische Aufarbeitung des DDR‑Unrechts gescheitert sei. „Betroffenen des Unrechts und ihren Angehörigen fällt es naturgemäß schwer zu akzeptieren, das die juristische Aufarbeitung immer zeitlich begrenzt, mittlerweile erschöpft ist.“ Deshalb, so Kellerhoff, sei neben der juristischen Aufarbeitung langfristig eine „gesellschaftliche Aufarbeitung“ notwendig.
Er sei froh, hierzu auch in Zukunft etwas beitragen zu können und freue sich, dass er mit einem Ehrenpreis des Hohenschönhausenpreises zur Aufarbeitung der SED‑Diktatur ausgezeichnet wurde.



Festansprache von Dr. h.c. Erich Loest als Download (pdf, 35 kb)
Auszüge:
„...Alle Bemühungen bundesdeutscher Politiker damals, das Verhältnis zur DDR zu entkrampfen, dienten der Absicht, den kalten nicht in einen heißen Krieg umschlagen zu lassen. Dabei kam es zu persönlichen Kontakten, die, losgelöst, heute wie Anbiederung ausschauen. Die Wandlung durch Annäherung fand auch mal bei Wodka und Whisky statt. Wir Dissidenten passten nicht in dieses Gefüge, es wäre aber übertrieben, uns Bauernopfer zu nennen. Wir waren, um im Bild des Schachspiels zu bleiben, Bauern, die isoliert am Rande ausharrten. Einmal traf ich Gerhard Löwenthal, den einzigen, der noch gegen Mauer und Stacheldraht anging. Heiter grüßte ich: „Na, Sie kalter Krieger?“ Er freute sich sehr....
...Die PDS, ausgestattet mit beherzten Kadern und sehr viel Geld, erreichte bisweilen mehr als zwanzig Prozent der Wählerstimmen, in manchen Bereichen, so anfangs bei den Thomanern, unter Lehrern und beharrlich an der Universität, wirkte der revolutionäre Geist teils offen, teils verborgen und verbissen weiter....
...Jetzt besteht Aussicht, das Ziel zu erreichen: Die Malerei „Aufrecht stehen“, ergänzt durch das Porträt von Herbert Belter, den das NKWD in Moskau erschoss und von dem wir bisher wenig wussten, findet Platz im Neubau der Universität am Augustusplatz. Ich stelle mir vor, wie bei der Einweihung Einige neben der klugen Rektorin Beate Schücking, Minkewitz und mir sitzen werden, die sich einst heimlich oder offen gegen unser Vorhaben stemmten und sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern können. Ich hoffe, vermutlich vergeblich, dass ich dann nicht denke: Spät kommt ihr, aber ihr kommt.“



Ehepaar Loest, Akteure der Preisverleihung 2012, Mitglieder und Gäste                                  
(Fotos: Katja‑Julia Fischer und Helge Dietrich)      






Preisträger 2010:

Dr. h. c. Karl Wilhelm Fricke,

Publizist und DDR‑Experte



Preisträger Dr. Fricke wird ein symbolischer Scheck in Höhe von 5.000 Euro überreicht                          

Presseerklärung zur Vergabe des Hohenschönhausen‑Preises 2010
als Download (pdf, 129 kb)



Horst Schüler
Ehrenvorsitzender der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)
Begründung der Jury‑Entscheidung (pdf, 58 kb)
Auszug:
„...Die Jury zur Verleihung des Hohenschönhausen‑Preises 2010 hatte über viele hervorragende Arbeiten und Beiträge zur Aufarbeitung des DDR‑Unrechts zu urteilen und die Entscheidung fiel ihr nicht leicht. Dennoch entschied sie nach ausführlichen Beratungen letztlich einstimmig. Der Hohenschönhausen‑Preis 2010 wird mit Herrn Dr. Karl Wilhelm Fricke einen Mann ehren, der Angehöriger dieses Widerstandes der ersten Jahre war. Und der wie kein anderer die oppositionelle Bewegung im kommunistisch beherrschten Teil Deutschlands von Beginn bis zu ihrem erfolgreichen Ende wissenschaftlich erforschte und analysierte.
Als Vertreter der Opferverbände in der Jury und für die vielen ehemaligen politischen Häftlinge des Kommunismus erfüllt mich diese Entscheidung mit Stolz und Freude...“



Jury‑Mitglied Horst Schüler           Laudator Minister a. D. Wolfgang Tiefensee                          

Wolfgang Tiefensee, MdB
Bundesminister a.D.
Laudatio für Dr. Karl Wilhelm Fricke,
Preisträger des Hohenschönhausen‑Preises 2010 (pdf, 109 kb)

Auszug:
„...Ihre Geschichte, sehr verehrter Dr. Fricke ist viel mehr als eine subjektiv gefärbte Autobiographie. Sie haben mit dem Buch „Akten‑Einsicht ‑ Rekonstruktion einer politischen Verfolgung“ ein minutiös recherchiert präzises, eindrucksvolles Werk der Zeitgeschichte geschaffen, das den Menschen vor Augen führt, wozu die DDR‑Diktatur fähig war. Dieses Buch ist aber nur ein kleiner Ausschnitt aus Ihrer Arbeit, für die Sie diesen Preis erhalten. Ihr umfangreiches Werk setzt sich vor allem mit dem Herrschaftssystem der DDR und mit kommunistischen Systemen in Mittel‑ und Osteuropas auseinander. Ihr besonderes Interesse blieb die Frage nach der Funktionsweise und der Struktur eines diktatorisch gelenkten bürokratischen Herrschaftssystems, das nicht durch freie Wahlen legitimiert wird und über keine unabhängige Justiz verfügt. Dabei schildern Sie insbesondere die politische Unterdrückung, die sich in diesem System gegen den Einzelnen richtet. Wirft man einen Blick auf die ganze Fülle Ihrer Veröffentlichungen, so wird deutlich, dass die analytische Beschäftigung mit dem Herrschaftssystem der DDR auf dokumentarischer Grundlage im Vordergrund eines Lebenswerkes steht, das diese Bezeichnung zu Recht trägt. Ihre Arbeiten fanden immer auch die Anerkennung der wissenschaftlichen Kollegen....“



Musikalische Begleitung Leon Buche, Klavier             Preisträger Karl Wilhelm Fricke                                                                                                         

Dr. Karl Wilhelm Fricke
Publizist und DDR‑Experte
Festansprache und Dankesrede (pdf, 73 kb)
Auszug:
„...Es hat gewiss etwas mit politischer Symbolik zu tun, wenn der ehemalige Hohenschönhausen‑Häftling nun hier und heute eine Stunde seiner Ehrung erleben darf. Damals im Gefängnis, im so genannten U‑Boot vor nunmehr gut fünfeinhalb Jahrzehnten, schwor ich mir, dass ich ‑ jemals wieder in Freiheit ‑ nach Kräften dazu beitragen werde, die Wahrheit über das Geschehen in Hohenschönhausen zu verbreiten. Es war eine Verpflichtung? die ich allen Verfolgten, allen Opfern gegenüber verspürt habe, die von der sowjetischen Geheimpolizei und der DDR‑Staatssicherheit in Hohenschönhausen inhaftiert, entwürdigt, gedemütigt, entrechtet, misshandelt und gefoltert wurden....“

                     
Ehepaar Friedelind und Dr. Karl Wilhelm Fricke, Preisträger 2010                  






Preisträger 2008:

Joachim Walther, Schriftsteller und Autor





Dr. Hubertus Knabe
Direktor der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen
Begründung der Jury‑Entscheidung (pdf, 15 kb)
Auszug:
„...Die Jury hat sich ... für den Schriftsteller Joachim Walther entschieden. Sie wollte damit sein herausragendes jahrelanges unbeirrtes Engagement für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur in der DDR würdigen. Sie ehrt damit nicht nur sein mutiges, großartiges Werk über die Durchdringung des DDR‑Literaturbetriebes durch den Staatssicherheitsdienst, das ihm, auch unter Kollegen, zahlreiche Anfeindungen einbrachte. Sie zeichnet damit auch sein vorbildliches Engagement für das „Archiv unterdrückter Literatur in der DDR“ aus, das er zusammen mit Ines Geipel initiiert hat. Gerade diese Bergungsarbeit für das, was in der DDR nie erscheinen durfte, ist ein großes Werk der Aufarbeitung. Joachim Walther hat damit die Belege dafür gesichert, dass es in der DDR noch eine andere, wahrhaftige Literatur gab, als die Kants und Hermlins Literaturgeschichte schrieben...“




Dr. Klaus von Dohnanyi
Bundesminister und Erster Bürgermeister a.D.
Laudatio für Joachim Walther (pdf, 29 kb)
Auszug:
„...Mit meiner Laudatio für Joachim Walther möchte ich ihm besonderen Dank dafür sagen, dass er in seiner Dokumentation diktatorischer Praktiken in der ehemaligen DDR dieses Thema so erschütternd beleuchtet hat: Es ist nämlich nicht nur der böse, opportunistische und karriere‑süchtige Mensch, den wir fürchten müssen: Es ist auch der selbstgerechte Heilsbringer, der viel Unglück verursacht. Was mich in den Schriften von Joachim Walther besonders beeindruckt hat ist eben diese nüchterne Darstellung der zum Teil besserwissenden Motive mit denen Bürger im SED‑Regime ‑ und vielleicht sogar insbesondere Intellektuelle ‑ andere Bürger bespitzelt, denunziert und ins Unglück gestürzt haben...“

          

Joachim Walther
Schriftsteller und Autor
Festansprache und Dankesrede (pdf, 11 kb)
Auszug:
„...Das Aufarbeiten der Geschichte ist nie erledigt, es bleibt eine ständige Aufgabe, weil es nach wie vor die neu organisierten Verklärer der Diktaturen gibt, vor deren gesüßtem Gift die nachwachsenden Generationen immunisiert werden müssen...“

 
v.l. Klaus von Dohnanyi, Carolina und Joachim Walther