Chronologie

Das Gelände der heutigen Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen in der Genslerstraße gehörte zunächst dem Maschinenfabrikanten Richard Heike, der das Grundstück 1938 an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) verkaufte. Die NSV erbaute dort eine Großküche als nationalsozialistischen Musterbetrieb.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges errichtete die sowjetische Besatzungsmacht auf dem Gelände ein Internierungslager, das „Speziallager Nr. 3”. Es diente als Sammel‑ und Durchgangslager für Personen, die als potentielle NS‑Verbrecher oder „feindliche Elemente” verhaftet worden waren. Zwischen Mai 1945 und Oktober 1946 waren im „Speziallager Nr. 3” mehr als 20 000 Menschen inhaftiert. Nach den bisher vorliegenden Quellen haben zwischen 900 und 3 000 Menschen die Haftzeit nicht überlebt.

Ab Oktober 1946 diente der Lagerkomplex der sowjetischen Besatzungsmacht als zentrales Untersuchungsgefängnis. Der Keller der Großküche wurde zum „U‑Boot” mit unterirdischen, fensterlosen Zellen umgebaut. Noch heute sind dort die Spezialzellen zu sehen, in denen gefoltert wurde. Die Häftlinge wurden durch tagelangen Arrest, stundenlanges Stehen, Schlafentzug oder durch den Aufenthalt in Wasserzellen zu Geständnissen gezwungen.

Im Sommer 1951, knapp zwei Jahre nach Gründung der DDR, übernahm das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) das Gefängnisgelände, das bis zu dessen Auflösung Ende 1989 als zentrales Untersuchungsgefängnis genutzt wurde. In dieser Zeit waren dort etwa 11 000 Menschen inhaftiert, überwiegend aus politischen Gründen. Darunter waren Streikführer des Aufstands vom 17. Juni 1953, Reformkommunisten wie der Schriftsteller Walter Janka oder der aus Berlin (West) entführte Rechtsanwalt Walter Linse, der nach seiner Deportation 1953 in der Sowjetunion hingerichtet worden ist.



Exkurs:
Walter Linse
Opfer des MfS wurde der Rechtsanwalt Dr. Walter Linse, der 1952 auf offener Straße in West‑Berlin entführt worden ist. Es war der spektakulärste Fall eines Menschenraubs durch die Stasi vor dem Mauerbau. Walter Linse war zu dieser Zeit Mitarbeiter im Untersuchungsausschuss freiheitlicher Juristen (UfJ), der sich mit den Rechtsverletzungen in der DDR befasste. Nach monatelanger Untersuchungshaft in Hohenschönhausen wurde er wegen „Spionage” und „Feindpropaganda” zum Tode verurteilt und am 15. Dezember 1953 in Moskau erschossen.

   
    Walter Linse als Häftling in Moskau, um 1953
    (Quelle: Ullstein Chronos Film GmbH)    


Mehr erfahren Sie über Walter Linse auf folgender Webseite:
Unser Walter Linse
verantwortet von Peter Seifert, Middletown, Ohio, USA
(Neffe von Walter Linse, Mitglied des Fördervereins)




Ende der fünfziger Jahre wurde der Gefängniskomplex in Hohenschünhausen um einen Neubau erweitert, der von Strafgefangenen des benachbarten „Lager X” errichtet wurde. Der dreigeschossige Bau enthielt neben den über 100 Gefängniszellen einen gesonderten Trakt mit etwa 120 Vernehmerbüros. Das berüchtigte „U‑Boot” wurde ab 1960/1961 nur noch als Materiallager genutzt.

Mit der Inbetriebnahme des Neubaus veränderten sich die Haftbedingungen nur scheinbar. Statt brutaler Misshandlung im Kellerverlies wurden die Gefangenen im Neubau jetzt psychologisch behandelt. Das Ziel des MfS blieb jedoch unverändert: Die Zerstörung der Persönlichkeit des Häftlings, um dessen Widerstand zu brechen. Der Schriftsteller Jürgen Fuchs war als Insasse des zentralen Untersuchungsgefängnis ein Opfer dieser Praktiken.

Nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 war das Ende der Untersuchungshaftanstalt (UHA) des MfS absehbar. Infolge eines Amnestiebeschlusses des DDR‑Staatsrates kamen auch in Hohenschönhausen Häftlinge frei. Anfang 1990 wurde das MfS und seine Nachfolgeorganisation aufgelöst, bald nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 die Haftanstalt geschlossen.

Am 1. Dezember 1995 ist die „Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen” als gemeinsame Einrichtung des Bundes und des Landes Berlin gegründet worden. Der weitläufige und weitgehend unveränderte Gefängnisbau wurde unter Denkmalschutz gestellt. Die Zahl der Besucher der Gedenkstätte ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Während 1995 lediglich 7 300 Menschen das ehemalige MfS‑Gefängnis aufsuchten, sind es inzwischen mehr als 340 000 pro Jahr.

Im November 2003 haben ehemalige Häftlinge, Bürgerrechtler, Politiker, Wissenschaftler und Publizisten den „Förderverein Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen” gegründet. Der Förderverein fühlt sich verpflichtet, das größte Gefängnis des DDR‑Staatssicherheitsdienstes als würdigen Ort des Gedenkens an die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft zu erhalten und als Gedenkort weiter zu entwickeln.
Im November 2003 erfolgten die erste Wahlen zum Vereinsvorstand. Die Mitglieder wählten Dr. Jörg Kürschner zum 1. Vorsitzenden des neu gegründeten Fördervereins. Sie bestätigten den Vorsitzenden durch Wiederwahl in den Jahren 2005, 2007, 2009, 2011 2013, 2015.
Amtierender Vorstand:
Vorsitzender: Dr. Jörg Kürschner
Stellv. Vorsitzender: Hubertus Fedke
Schatzmeister (kommisarisch seit 06.04.2016): Frank Silz
Schriftführerin: Christine Sauerbaum‑Thieme
Beisitzer: Stefan Hilsberg, Gerald Praschl

Die „Bundeszentrale für politische Bildung” hat den Förderverein 2004 mit dem „Einheitspreis” in der Kategorie „Kultur” ausgezeichnet.

Im Juli 2007 hat der Förderverein der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen einen Aufarbeitungspreis ausgelobt.
Er fördert die kritischen Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur.
Erstmalig verliehen wurde der „Hohenschönhausen‑Preis” am 26. November 2008 an den Schriftsteller Joachim Walther. Im Jahr 2010 erhielt am 30. November der Publizist und DDR‑Experte Dr. h. c. Karl Wilhelm Fricke den Aufarbeitungspreis.
Der Schriftsteller Erich Loest erhielt den Hohenschönhausen‑Preis am 7. November 2012. Mit einen Ehrenpreis wurde 2012 der Journalist und Historiker Sven Felix Kellerhoff ausgezeichnet.
2014 erhielt der Schriftsteller Reiner Kunze den Hohenschönhausen‑Preis, weil er in vorbildlicher Weise zur Aufarbeitung der SED‑Diktatur beigetragen hat. Außerdem wurde das Menschenrechtszentrum Cottbus mit einem Sonderpreis für seine Bemühungen ausgezeichnet, im größten DDR‑Gefängnis für politische Gefangene eine Gedenkstätte zu schaffen.


>>> ARD‑Film (43:36):
"Sperrbezirk ‑ Menschen im Stasigefängnis Hohenschönhausen "





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Über aktuelle Entwicklungen im Förderverein und in der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen informiert ein Nachrichteninfo. Die Broschüre erscheint mehrmals im Jahr und wird an die Mitglieder des Fördervereins sowie an weitere Personen und Organisationen gesendet.

Nachstehend die PDF‑Versionen aller Ausgaben zum Download:


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Nachrichteninfo_36_2016 (pdf. 729 kb)

Nachrichteninfo_35_2016 (pdf, 1.900 kb)

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Nachrichteninfo_33_2015 (pdf, 2240 kb)

Nachrichteninfo_32_2015 (pdf, 357 kb)

Nachrichteninfo_31_2014 (pdf, 1062 kb)

Nachrichteninfo_30_2014 (pdf, 1959 kb)

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Nachrichteninfo_20_2010 (pdf, 658 kb)

Nachrichteninfo_19_2010 ‑ (pdf, 691 kb)

Nachrichteninfo_18_2010 (pdf, 999 kb)

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Nachrichteninfo_16_2009 (pdf, 550 kb)

Nachrichteninfo_15_2009 (pdf, 543 kb)

Nachrichteninfo_14_2009 (pdf, 471 kb)

Nachrichteninfo_13_2008 (pdf, 452 kb)

Nachrichteninfo_12_2008 (pdf, 554 kb)

Nachrichteninfo_11_2008 (pdf, 545 kb)

Nachrichteninfo_10_2008 (pdf, 731 kb)

Nachrichteninfo_09_2007 (pdf, 631 kb)

Nachrichteninfo_08_2007 (pdf, 259 kb)

Nachrichteninfo_07_2007 (pdf, 374 kb)

Nachrichteninfo_06_2007 (pdf, 294 kb)

Nachrichteninfo_05_2006 (pdf, 1320 kb)

Nachrichteninfo_04_2006 (pdf, 859 kb)

Nachrichteninfo_03_2006 (pdf, 952 kb)

Nachrichteninfo_02_2006 (pdf, 365 kb)

Nachrichteninfo_01_2005 (pdf, 376 kb)






In Memoriam

„Was du nicht weitergibst, ist verloren.” (Zitat: Rabindranath)

Der Förderverein Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen gedenkt in Dankbarkeit seiner verstorbenen Mitglieder und Preisträger:


Cliewe Juritza
* 12. Mai 1966       † 20. Dezember 2016
In tiefer Bestürzung ereilte uns die Nachricht, dass Cliewe Juritza im Alter von 50 Jahren von uns gehen musste. Seit 2008 führte er Besuchergruppen durch das ehemalige Stasigefängnis, dessen Geschichte eng mit seinem persönlichen Schicksal verknüpft ist. Als Zeitzeuge hielt er die Erinnerung an den Unrechtsstaat DDR lebendig.
Cliewe Juritza wurde 1966 in Ost-Berlin geboren. Von Fernweh geplagt fasste er mit 18 Jahren den Entschluss, in die Bundesrepublik zu fliehen. Doch seine Fluchtversuche missglückten; in der Nähe von Eisenach wurde Cliewe Juritza 1984 schließlich festgenommen. Wegen „Verdachts auf versuchten ungesetzlichen Grenzübertritt” verurteilte man ihn zu zwölf Monaten Haft, die er im Jugendhaus Halle verbüßte. Nach zehn Monaten wurde er schließlich im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik abgeschoben. In Kassel holte er sein Abitur nach und studierte an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften. Später arbeitete Cliewe Juritza beim Berliner Senat und organisierte als freier Mitarbeiter städtebauliche Wettbewerbe, war als Journalist tätig und arbeitete in der Pressestelle eines großen amerikanischen Unternehmens.
Unser Beileid gilt seiner Familie und vor allem seiner Frau, Hardburg Stolle. Wir wünschen ihr viel Kraft in diesen schmerzvollen Stunden.
(Text: Helmut Frauendorfer)



Xing‑Hu Kuo
* 12. Mai 1938       † 17. Juli 2016
Xing‑Hu Kuo saß am Steuer seines schwarzen „Mercedes 180” und befand sich kurz vor dem Checkpoint Charlie, als er von drei „Wolga„‑Limousinen gestoppt wurde, denen mehrere Bewaffnete entsprangen. Das Stadtgericht Berlin verurteilte ihn wenig später zu sieben Jahren und sechs Monaten Zuchthaus, weil er angeblich mehreren DDR‑Bürgern zur Flucht in den Westen verholfen hatte. Nach seiner Haftentlassung ‑ die er in der berüchtigten Sonderhaftanstalt Bautzen II verbüßen musste ‑ hat er sich im Westen um die Aufarbeitung des SED‑Unrechts verdient gemacht. Am 17. Juli 2016 ist Xing‑Hu Kuo nach langer schwerer Krankheit in Berlin gestorben.
Geboren am 12. Mai 1938 in Djarkata (Indonesien) hatte der „fröhliche Tiger”, wie die wörtliche Übersetzung seines Namens lautet, ein recht bewegtes, häufig sehr schwieriges Leben. Der Sohn eines wohlhabenden Publizisten, dem Chefredakteur einer der wichtigsten Zeitungen in Indonesien, war nach dem Besuch zweier holländischer Schulen zunächst in die Bundesrepublik gekommen. Er hatte in Hamburg und an der Freien Universität Berlin in West‑Berlin Publizistik studiert, bevor er sich dazu entschloss, in die DDR überzusiedeln. Nachdem er sein Journalistik‑Studium an der Karl‑Marx‑Universität in Leipzig absolviert hatte und sich zum Realsozialismus bekannte, entzog ihm das nationalistische Sukarno‑Regime die indonesische Staatsbürgerschaft. Kuo, der damals in Treptow an seiner Doktorarbeit schrieb und als Übersetzer für die chinesische Botschaft arbeitete, nahm die chinesische Staatsbürgerschaft an. Als ihn der ostdeutsche Staatssicherheitsdienst 1965 verhaftete, hatte er längst entschieden, dem SED‑Regime den Rücken zu kehren.
Vom Sommer 1966 bis zum Sommer 1972 in der berüchtigten Sonderhaftanstalt „Bautzen II” eingesperrt, entschied Kuo lieber nach Westdeutschland, als nach China entlassen zu werden. Der Sozialismus war für ihn erledigt. Durch eine Empfehlung von Matthias Walden gelangte Kuo an eine Position als Redakteur des neu gegründeten Axel‑Springer‑Inlandsdienst (ASD), wo man ihm bereits ab Mitte Oktober 1972 die Aufgabe der Auswertung östlicher Presseerzeugnisse übertrug, bevor er 1979 als Korrespondent des ASD nach Stuttgart wechselte. Während viele seiner Kollegen 1981/82 bei der Einstellung des ASD ihre Arbeit verloren, hatte Kuo noch einmal Glück. Er wurde zum Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt” befördert und durfte seine Arbeit in Baden‑Württemberg fortsetzen. Zumindest bis zum Herbst 1985, als nach Axel Springers Tod eine erneute Entlassungswelle durch den Verlag rollte. Kuo, seit 1974 mit der Berlinerin Anita Tykve verheiratet, gründete damals den „Anita Tykve Verlag”, in dem fortan zahlreiche Bücher erschienen, die sich kritisch mit dem SED‑Regime auseinandersetzten, darunter nicht zuletzt sein eigener Titel „Ein Chinese in Bautzen II”. (2006 trat er dem Förderverein Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen bei.) Nach dem Tod seiner Frau (2013) war Kuo zurück nach Berlin gezogen.
Er lebte zuletzt in Kreuzberg, nur ein paar Schritte von seiner alten Wirkungsstätte, dem Axel‑Springer‑Haus, entfernt.
(Text: Professor Dr. Stefan Appelius)





Helge Dietrich
* 20. September 1944       † 31. August 2016
Der Förderverein trauert um sein langjähriges Mitglied Helge Dietrich.
Dem Förderverein der Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen trat Dietrich 2007 bei und übernahm sofort bereitwillig verschiedene Aufgaben, um die Gedenkstätte bei der Aufarbeitung des DDR‑Unrechts zu unterstützen. Er beteiligte sich vor allem als „Bildreporter” an den feierlichen Preisverleihungen, als Autor von Beiträgen im Mitteilungsblatt und bei der Gestaltung der Webseite des Fördervereins. Seine beeindruckenden Aufnahmen dokumentieren die Gedenkstätte unter „Fotoimpressionen von Helge Dietrich” auf der Webseite. Zuletzt führte er auch die Kassenprüfung im Verein durch.
Über sein Engagement in unserem Förderverein lernte er das Bautzen‑Komitee kennen. Bautzen hatte für die Familie Dietrich eine außerordentliche Bedeutung. Der Vater, aus Dresden stammend, wurde 1948 als Mitglied der liberalen Partei für seine politische Überzeugung verhaftet. (Helge Dietrich meinte später, es handelte sich vermutlich um eine Verwechslung mit einem in der Nähe wohnenden Dr. Dietrich, der gesagter Partei angehörte. Die Gründe für die Verhaftung sind bis heute nicht bekannt, da in Moskau kein Einblick gewährt wird.) Bis zum Dezember 1956 war Dietrichs Vater in Bautzen inhaftiert.

                    

So lag es nahe für den Sohn Helge, auch im Bautzen‑Komitee aktiv mitzuarbeiten. In diesem Opfer‑Verband hat Helge Dietrich sich bald zu einem unentbehrlichen Mitstreiter als stellvertretender Vorsitzender gemacht.
Helge Dietrich arbeitete als Lehrer für Geschichte/Sozialkunde und Mathematik in Sichtweite der Berliner Mauer in der Bernauer Straße. Jahrzehntelang prägte er als Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung im Deutschen Beamtenbund die Berliner Schulpolitik in Abgrenzung zum linksorientierten Gewerkschafts‑Konkurrenten. Seiner politischen Überzeugung folgend, erreichte er, daß sein Vater 2012 von der ehemals sowjetischen Generalstaatsanwaltschaft rehabilitiert wurde.
Helge Dietrichs überraschender Tod reißt im Förderverein Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen eine schmerzliche Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird. Die Anteilnahme der Mitgliedschaft gilt seiner Frau, den Kindern und Enkeln.


Philipp Mißfelder
* 25. August 1979       † 13. Juli 2015
Der Tod von Philipp Mißfelder hat viele Menschen erschüttert. Nur 35 Jahre ist der CDU‑Politiker geworden, der dem Förderverein 2006 beigetreten war. Der Bundestagsabgeordnete verfügte über eine Vielzahl von Kontakten, warb in seiner Partei für den Förderverein mit der Folge, dass weitere Mandatsträger zu uns gestoßen sind. Wenn man Philipp Mißfelder begegnete,war er meist in Eile ‑ typisch Politiker halt. Doch fand er immer Zeit und fragte nach der Arbeit des Fördervereins.
Mißfelders politisches Vorbild war unser Gründungsmitglied Dr. Helmut Kohl, Bundeskanzler von 1982 bis 1998. Beide verband eine Freundschaft ‑ selten genug in der Politik.
Der Förderverein wird Philipp Mißfelder ein ehrendes Gedenken bewahren.


Günter Hoffmann
* 2. September 1928       † 19. April 2015
Der Förderverein trauert um sein Mitglied Günter Hoffmann. Er gehörte seit 2012 zu uns. Günter Hoffmann hatte die heute fast altmodisch anmutende aber liebenswerte Angewohnheit, zum Telefonhörer zu greifen, um sich mitzuteilen. Statt ePost also das direkte Gespräch. Manchmal schickte er auch einen Zeitungsausschnitt, etwa über den Aufmarsch ehemaliger NVA‑Offiziere und Stasi‑Mitarbeiter am sowjetischen Ehrenmal in Berlin‑Treptow. Krankheitsgründe waren es, die ihn am Besuch unserer Veranstaltungen hinderten.
Wir werden Günter Hoffmann nicht vergessen.


Oskar Stück
* 19. November 1924        † 23. März 2014
Am 23.3.2014 verstarb im Alter von fast 90 Jahren Oskar Stück, der seit 2007 Mitglied des Fördervereins Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen war. Nicht ohne persönlichen Hintergrund war er dem Förderverein beigetreten, hatte er doch 6 Jahre lang in Bautzen I, Torgau und Halle eingesessen. Den Grund für seine Inhaftierung erfuhr er nicht gleich bei der Verhaftung, sondern erst nach einigen nächtlichen Verhören durch den NKWD: Man warf ihm „Antisowjethetze” vor. Er hatte sich 1950 als Stundent der Germanistik und Romanistik und als Mitglied des Fakultätsrates der Universität Jena Material der FU Berlin besorgt und dieses auch verteilt. Hierfür wurde er zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt.
Oskar Stück war einer derjenigen, die unter den Gefangenen illegale Chorgruppen gegründet hatten. Zeitweilig war er in demselben Saal untergebracht wie Walter Kempowski. In Torgau leitete er selbst einen Chor. Nach 6 Jahren Haft wurde Oskar Stück entlassen. Er beendete sein Studium und unterrichtete seit den 60er Jahren an einem Gymnasium in Berlin‑Kreuzberg.
Der Förderverein verliert mit Oskar Stück einen aufrechten und kritischen Menschen, der durch seine Haltung ein Vorbild war. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.


Erich Loest
* 24. Februar 1926        † 12. September 2013
Der Direktor der Stasiopfer‑Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat mit tiefer Betroffenheit auf den Tod des Schriftstellers Erich Loest reagiert. „Deutschland verliert damit nicht nur einen großen Schriftstellers, sondern auch einen Vorkämpfer für Freiheit und Demokratie. Ich bin sehr traurig, dass dieser aufrechte Mann nicht mehr unter uns ist.” Knabe zeigte sich auch erschüttert über die Umständen von Loests Tod. Dieser hatte sich am 12. September 2013 nach langer Krankheit in einem Leipziger Krankhaus das Leben genommen. „Erich Loest war immer eigenwillig und unberechenbar. Darin ist er sich bis zu seinem Ende treu geblieben,”sagte der Historiker.
Der Förderverein der Gedenkstätte hatte Erich Loest im November 2012 für sein Engagement in der Aufarbeitung der SED‑Diktatur mit dem Hohenschönhausen‑Preis ausgezeichnet. In seinen Werken wie „Durch die Erde ein RißՃ oder „Nikolaikirche” habe er zahlreichen Menschen in ganz Deutschland ein realistisches Bild der DDR als menschenfeindliche Diktatur vermittelt. Auch mit seinem Kampf gegen Überbleibsel kommunistischer Propaganda wie das Bronze‑Relief „Aufbruch” der Universität Leipzig habe er sich in besonderer Weise gegen einen unkritischen und nachlässigen Umgang mit der SED‑Diktatur gewandt. Als vorbildlich würdigte die Jury auch, dass sich Loest, der in der DDR sieben Jahre im Gefängnis war, auch mit seinen eigenen politischen Irrtümern offen und kritisch auseinandergesetzt habe.
Erich Loest bedankte sich am 7. November 2012 beim Förderverein mit einer denkwürdigen Festansprache.
Festansprache, Manuskript von Erich Loest (pdf, 2.343 kb)




Hans‑Eberhard Zahn
* 28. Juni 1928        † 29. August 2013
Hans‑Eberhard Zahn wurde 1928 in Stettin geboren. Nach dem Krieg begann er an der Freien Universität (FU) Berlin ein Psychologie‑ und Philosophiestudium. Die FU Berlin war 1948 als Reaktion auf die politische Gleichschaltung der Berliner Universität Unter den Linden von Studenten und Professoren im Westteil der Stadt gegründet worden. Da viele Studierende ihre Angehörigen in der sowjetisch besetzten Zone zurücklassen mussten, kümmerte sich das Sozialreferat des Allgemeinen Studentenausschusses (ASTA) um deren Unterstützung. Zahn schuf dazu ein Netz von Helfern, die in Ost‑Berlin jeweils kleinere Einzahlungen vornahmen. Als er im November 1953 einem Ost‑Berliner Kommilitonen Geld und Einzahlungslisten überbringen wollte, wurde er vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verhaftet. Das MfS sah in ihm einen hochrangigen Spion und versuchte anfangs, ihn durch Schlafentzug und ähnliche Mittel zu „überwerben” ‑ vergeblich. Nach monatelanger Haft in einer Kellerzelle des Untersuchungsgefängnisses an der Prenzlauer Allee verurteilte ihn das Stadtgericht Berlin im September 1953 u.a. wegen Militärspionage zu sieben Jahren Zuchthaus. Seine Strafe musste er in den Zuchthäusern Berlin‑Rummelsburg, Brandenburg und Bautzen sowie im Haftarbeitslager X des MfS in Berlin‑Hohenschönhausen vollständig absitzen. Nach seiner Entlassung im November 1960 schloss er sein Psychologiestudium an der FU Berlin ab. Anschließend arbeitete er dort bis 1993 als Hochschullehrer. Er engagierte sich im Kampf gegen die erstarkenden Bewegung kommunistischer Studenten. 1983 wurde er in den Vorstand der Notgemeinschaft für eine freie Universität (NoFU) Berlin gewählt. Nach der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 wurde er zum Vorsitzenden, dann zum Ehrenvorsitzender des Bundes Freiheit der Wissenschaft in Berlin‑Brandenburg gewählt. Er war Beiratsmitglied der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen und führte seit 2001 Besuchergruppen durch das ehemalige Gefängnis.
Hans‑Eberhard Zahn ist am 29. August 2013 im Alter von 85 Jahren in Berlin‑Steglitz verstorben.
Er hat Außerordentliches für die Gedenkstätte und den Förderverein geleistet, dessen Vorstand er von 2003 bis 2005 angehört hat.
Der Förderverein Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen trauert um sein verehrtes Gründungsmitglied Hans‑Eberhard Zahn.

                    



Katharina Gajdukowa
* 10. Mai 1967        † 15. November 2011
Das Leben von Katharina Gajdukowa war im SED‑Staat von Verfolgung geprägt. Weil sie Kontakt zur missliebigen Punk‑Szene hatte, wurde sie mit 16 Jahren von der staatlichen „Jugendhilfe” in einen Jugendwerkhof eingewiesen. Später schloss sie sich oppositionellen Friedensgruppen an, bespitzelt von einer engen Freundin.
Erst nach der Friedlichen Revolution konnte sie ein Studium aufnehmen, nach dem sie als politisch‑verfolgte Schülerin beruflich rehabilitiert wurde. Zuletzt hatte sie als der Diplom‑Pädagogin an der Philipps‑Universität Marburg einen Lehrauftrag und arbeitete als engagierte Wissenschaftlerin am dortigen Zentrum für Konfliktforschung. Themen, die Frau Gajdukowa bis zu ihrem Freitod verfolgte, waren der Opfer‑Täter‑Ausgleich, verbesserte Beratungsangebote für Betroffene der DDR‑Heimerziehung und die Vernetzung von Aufarbeitungsinitiativen.
Mitte 2011 war sie, schwer erkrankt, nach Berlin gezogen. Sie litt in Folge ihres unrechtmäßigen Freiheitsentzugs in der DDR‑Heimerziehung an Depressionen.
Man konnte sie in Berlin in der Gedenkstätte und bei verschiedenen Aufarbeitungs‑Veranstaltungen treffen. Dem Förderverein hat sie seit August 2007 angehört.
Sie hinterließ im Alter von 44 Jahren einen 21jährigen Sohn.
Wir werden Katharina Gajdukowa wegen ihres Einsatzes für die Aufarbeitung von DDR‑Unrecht in dankbarer Erinnerung behalten.


Uwe Hädrich
* 14. August 1945        † 27. Juli 2011
Zusammen mit seiner Frau Eveline gehörte der damals 44jährige Uwe Hädrich zu den letzten politischen Gefangenen der SED‑Diktatur. Das Regime zeigte bis zum Schluss Härte: Es inhaftierte das Ehepaar noch von September bis Dezember 1989 im Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin‑Hohenschönhausen.
Uwe Hädrich war seit 2006 ein sehr engagiertes Mitglied des Fördervereins. Er hat jede Gelegenheit genutzt, um die Öffentlichkeit auf das Schicksal der politischen Gefangnenen in der DDR aufmerksam zu machen, so beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Gedenkstätte im Mai 2009 und zuletzt während einer Diskussion in der Landesvertretung des Landes Hessen in Berlin im Mai des Jahres 2011.
Für die Mitgliedschaft überraschend ist er am 27. Juli 2011 verstorben. Der Förderverein trauert um sein Mitglied Uwe Hädrich.


Sigrid Paul
* 14. März 1934        † 18. Juni 2011
Seit vielen Jahren hat Sigrid Paul unzählige Besucher durch die Gedenkstätte geführt und öber die Menschenrechtsverletzungen der SED‑Diktatur informiert. Ihr eigenes Schicksal hat sie eindrucksvoll in dem Buch „Mauer durchs Herz” geschildert.
Sigrid Paul ließ kaum eine Veranstaltung in der Gedenkstätte aus, die ihr ein „Lebenselixier” war. Der Förderverein ist sehr traurig, dass sein liebenswertes Mitglied im Alter von 77 Jahren von uns gegangen ist. Wir werden Sigrid Paul in dankbarer Erinnerung behalten.


Heinz‑Peter Brakelmann
* 7. April 1958        † 11. Juni 2011
Peter Brakelmann war ein deutscher Politiker, der im Frühjahr 2008 nach einem Besuch der Gedenkstätte spontan unserem Verein beitrat.
Nach einer Lehre als Betriebschlosser arbeitete er als Entstörungsmonteur und Vorarbeiter bei den Wuppertaler Stadtwerken, ab 1994 im Betriebsrat. 1980 trat er in die CDU ein. Von 1989 bis 1994 war er Mitglied der Bezirksvertretung, von 1994 bis 2005 Mitglied im Rat der Stadt Wuppertal und von 1999 bis 2005 stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
Bei der Landtagswahl 2005 wurde Brakelmann im Wahlkreis 32 (Wuppertal II) als Direktkandidat der CDU in den nordrhein‑westfälischen Landtag gewählt. Er war Abgeordneter vom 8. Juni 2005 bis zum 8. Juni 2010. Seine Haupt‑Aufgabenfelder waren hier Arbeit, Gesundheit und Soziales.
Er erlag am 11. Juni 2011 einer schweren Krankheit.
Der Förderverein trauert um sein Mitglied Peter Brakelmann.


Thomas Korschefsky
* 16. Oktober 1955        † 10. Juni 2011
Der Förderverein gedenkt seinem Mitglied Thomas Korschefsky.
Im November 2008 ist er unserem Verein als 100. Mitglied beigetreten; zusammen mit seiner Frau Ines Tichter‑Korschefky. Er hat in Böblingen gelebt und die Gedenkstätte oft besucht; als verantwortungsbewusster Lehrer mit seinen Schülern, als liebevoller Vater mit seinem Sohn und zusammen mit seiner Frau. Die Aufklärung über die Verbrechen der SED‑Diktatur war ihm ein Herzensanliegen.
Der Förderverein wird seinen Weggefährten Thomas Korschefsky in dankbarer Erinnerung behalten.