Aktivitäten des Fördervereins 2015

Vier Millionen Besucher im Ex‑Stasi‑Gefängnis begrüßt
Glückwünsche für bayerischen Schüler




Im Dezember 2015 empfing die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen ihren viermillionsten Besucher. Der 16‑jährige Schüler Alex Frimann von der Anton‑Heilingbrunner‑Schule aus dem bayerischen Wasserburg bekam von der Gedenkstättenleitung einen Blumenstrauß und ein Buchgeschenk überreicht. Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner überreichte dem Jubiläumsgast einen Buddybären. Weitere Glückwünsche kamen von Ministerialdirigent Günter Winands, der Kulturstaatsministerin Monika Grütters vertrat. Renner betonte , wie wichtig das frühere Stasi‑Gefängnis für die jüngeren Generationen sei. „Hohenschönhausen nimmt als Schlüsselort seit 20 Jahren einen zentralen Platz in der nationalen Erinnerungskultur ein. Das gilt es auch für die Zukunft zu bewahren,” so Renner. Gedenkstättendirektor Knabe wies darauf hin, dass Schülergruppen der Hauptteil der Besucher sei. Von den mehr als 440.000 Besuchern des Jahres 2015 würden mehr als die Hälfte aus dem schulischen Bereich kommen. „Ich freue mich, dass sich so viele Menschen für die jüngste deutsche Geschichte interessieren. Es ist unser aller Aufgabe, die Erfahrungen mit der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland an die junge Generation weiterzugeben. Die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen spielt dabei eine besonders bedeutende Rolle,” erklärte der Historiker. Die Gedenkstätte verzeichnet seit Jahren stark steigende Besucherzahlen. Während im Gründungsjahr 1994 insgesamt 3.000 Menschen das ehemalige Stasi‑Gefängnis besichtigten, waren es im Jahr 2014 bereits 436.000. Mehr als 200.000 von ihnen waren Schüler.

Förderverein im Aufwind
Im zwölften Jahr nach Gründung des Fördervereins im November 2003 haben unverändert zwei Ziele im Vordergrund gestanden, zu denen uns die Satzung verpflichtet: die ideelle und materielle Förderung der Gedenkstätte sowie die Gewinnung neuer Mitglieder. Krankheitsfälle und berufsbedingte Abwesenheiten haben die tägliche Arbeit im ablaufenden Jahr zum Teil beeinträchtigt. Manche Anfragen von Mitgliedern oder Interessenten konnten oft nur mit erheblicher zeitlicher Verzögerung oder zu spät beantwortet werden. Der Vorstand bittet um Verständnis.
Aufgrund der nicht unerheblichen Beitragsrückstände sah sich der Vorstand zu einer Revision veranlasst. Diese war bereits im letzten Jahresbericht angekündigt worden. Seit September sind 85 säumige Mitglieder angeschrieben und um Zahlung ihres Mitgliedsbeitrags gebeten worden. Inzwischen sind 29 Mitglieder ihren Zahlungsverpflichtungen nachgekommen, 56 Mahnungen sind noch nicht beantwortet worden. Dadurch konnten 3.730 ¤ auf dem Vereinskonto verbucht werden. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.
Die Zahl der Mitglieder konnte 2015 gleichwohl leicht gesteigert werden. Während dem Förderverein 2014 222 Mitglieder angehört haben, sind es am Ende des Jahres 2015 229. Zu beklagen war am 19. April der Tod unseres Mitglieds Gönter Hoffmann und am 13. Juli von Philipp Mißfelder.
Der Vorstand muss 2016 die Mitgliederwerbung in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen. Mit Blick auf den Altersdurchschnitt wird es darauf ankommen, verstärkt jüngere Menschen für eine Mitgliedschaft im Förderverein zu gewinnen. Der Vorstand bittet deshalb alle Mitglieder nachdrücklich, im Freundes‑ und Bekanntenkreis für den Förderverein zu werben. Jugendlichen von 16 bis 26 Jahren bietet sich seit Anfang 2013 die Möglichkeit einer zweijährigen, kostenfreien „Schnupper”‑ Mitgliedschaft. Davon ist bislang kaum Gebrauch gemacht worden. Die eindringliche Bitte des Vorstands: Werben Sie neue Mitglieder, insbesondere auch Jüngere.

Der Förderverein hat auch 2015 die Arbeit der Gedenkstätte materiell gefördert.
So hat der Förderverein die ersten 2.000 Exemplare des Katalogs zur Dauerausstellung
„Inhaftiert in Hohenschönhausen, Zeugnisse politischer Verfolgung 1945 ‑ 1989”, Nicolaische Verlagsbuchhandlung
mit 13.203,80 ¤ gefördert.
Der neue Katalog wurde am 25. November 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt.


Die Herausgeber des Bandes stellten nicht nur das Ergebnis ihrer Arbeit vor. Sie diskutierten zugleich mit Experten und Zeitzeugen über die Schwierigkeit, Gewalt und Unterdrückung in einem Museum darzustellen. Voyeurismus, Verdrängung, Information ‑ zwischen diesen Polen bewegt sich die Arbeit vieler Erinnerungsorte. Der Katalog der Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen ist ein Versuch, gleichwohl das Grauen verständlich zu machen.
Einladung Katalogvorstellung (pdf, 404 kb)

Das Fördervolumen betrug somit 2015 32.483,80 ¤ (Vorjahr 16.600 Euro (2013 14.762 ¤, 2012 9.875,49 ¤). Dem Förderverein bleibt trotz dieser erheblichen Steigerung ein hinreichendes finanzielles Polster, um 2016 zum fünften Mal den „Hohenschönhausen‑Preis” zu verleihen. Preisträger 2014 waren der Schriftsteller Reiner Kunze sowie das mit einem Ehrenpreis ausgezeichnete Menschenrechtszentrum Cottbus, dem einst größten Gefängnis der DDR für politische Häftlinge. Die Preisverleihung ist auf zufriedenstellendes Echo gestoßen; in den Medien und in der Politik.
Die im April 2013 vom Vorstand und der Gedenkstätte geschlossene Kooperationsvereinbarung hat sich bewährt. Diese sieht vor, dass die bisher auf das Konto der Gedenkstätte eingegangenen Spenden sowie die Gelder aus der Spendenbox in der Gedenkstätte auf ein zusätzlich eingerichtetes Konto des Fördervereins geleitet werden. Damit wird die Gedenkstätte in die Lage versetzt, über Spendengelder von ihren Zuschussgebern Bund und Land Berlin unabhängiger zu verfügen.
Vierstellige Großspenden durch Mitglieder konnte der Förderverein 2015 in Höhe von 19.700 ¤ (Vorjahr 17.485 Euro, 2013 15.500 Euro) verbuchen. Der Vorstand dankt jedem Mitglied für jede Zuwendung, unabhängig von deren Höhe.
Wir haben Transport und Aufbau der Wanderausstellung „Gewalt hinter Gittern” in Darmstadt und in Berlin‑Marzahn gefördert. Kosten ca. 8. 000 ¤.
Wie in den vergangenen Jahren haben wir zwei Stellen „Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ)” in Höhe von insgesamt 10.680 ¤ finanziert. Diese Mitarbeiter sind zugleich Ansprechpartner des Fördervereins in der Gedenkstätte. Der Vorstand sieht in diesem Projekt die Chance, das Engagement junger Menschen für nachhaltige Aufgaben in der Gedenkstätte zu fördern und zugleich deren Interesse an der historischen Aufgabenstellung zu wecken. Außerdem wird damit personellen Engpässen in der Gedenkstätte begegnet.
Die Recherchen eines Historikers der Gedenkstätte wurden mit 600 ¤ unterstötzt.

Die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen bot in der „Woche des Sehens” zwei Sonderrundgänge für blinde und sehbehinderte Besucher an ‑ hier Rundgang mit unserem Mitglied Cliewe Juritza.

Wir finanzieren die Tastführungen zur „Woche des Sehens” und wie in den vergangenen Jahren auch das „Pädagogische Konzept für geführte Rundgänge mit blinden und sehbehinderten Besuchern durch die Gedenkstätte”.


Außendarstellung des Förderereins

Der Vorstand pflegt und aktualisiert den Internetauftritt des Fördervereins (www.foerderverein‑hsh.de) und ist auch auf Facebook auf einer Seite und als Gruppe präsent (rund 1.000 Adressaten). Darüber hinaus macht der Vorstand regelmäßig per ePost aufmerksam auf Veranstaltungen des Fördervereins, der Gedenkstätte sowie weiterer Einrichtungen mit entsprechendem Themenbezug. Der Vorstand traf sich im Berichtszeitraum viermal zu Sitzungen.

Nachstehend die PDF‑Versionen der Ausgaben des Nachrichteninfos aus 2015 zum Download:

Nachrichteninfo_32_2015 (pdf, 540 kb)

Nachrichteninfo_33_2015 (pdf, 1959 kb)

Nachrichteninfo_34_2015 (pdf, 443 kb)



Im Binnenverhältnis hat sich das „Nachrichteninfo” för Mitglieder und Freunde des Fördervereins weiter zu einer festen Einrichtung entwickelt, die auf eine erfreuliche Resonanz stößt. Der Umfang dieses Mitteilungsblatts, das seit nunmehr zehn Jahren erscheint und das auch den Besuchern der Gedenkstätte auf Spendenbasis zur Verfügung gestellt wird, beträgt inzwischen bis zu 48 Seiten. Die Druckauflage liegt bei derzeit 700 Exemplaren, die elektronische Auflage bei etwa 1.300 Exemplaren. Neben dem Faltblatt, das den Besuchern in der Gedenkstätte kostenfrei zur Verfögung gestellt wird, ist das Nachrichteninfo ein wichtiger Werbefaktor. So stellt der Vorstand fest, daß nach dessen Erscheinen regelmäßig ein Anstieg der Spenden verzeichnet werden kann.


Theateraufführung in der Gedenkstätte

Der Ort des Geschehens: das Stasi‑Gefängnis Berlin‑Hohenschönhausen. Manfred Lenz wird 1972 mit seiner Frau Hannah und den beiden Kindern bei der Republikflucht gefasst. Es folgen Einzelhaft, Schikanen, endlose Verhöre durch den Staatssicherheitsdienst. Während Lenz sein Leben vor seinem inneren Auge vorbeiziehen lässt, nehmen seine Gedanken und Erinnerungen Gestalt an. Gegenstände in seiner kargen Zelle beginnen zu sprechen.
Zwischen den endlosen Vernehmungen entspinnt sich ein tragikomischer Dialog des Hauptdarstellers mit den Figuren aus seiner Vergangenheit.



Das Stück basiert auf dem autobiographischen Roman von Klaus Kordon, der 2003 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Die Umsetzung durch das Theater Drehbühne Berlin schafft tiefe Einblicke in die Methoden der Stasi und die unmenschlichen Haftbedingungen in Berlin‑Hohenschönhausen. Manfred Lenz übersteht die Zeit nicht zuletzt auch mit Hilfe seiner Phantasie. Er lässt in Gedanken und vor den Augen des Publikums Figuren aus seiner Vergangenheit lebendig werden. Angefangen bei seiner Kindheit im Nachkriegs‑Berlin der 40er Jahre über die Zeit des Mauerbaus bis hin zu den Frustrationen und Kuriositäten des Alltags in der DDR.



Verborgene Orte: Das Ost‑Berliner Polizeigefängnis
Aus Anlass des 17. Juni Führungen mit ehemaligen Inhaftierten




Die Gedenkstätte Berlin‑Hohenschönhausen bot erstmals Führungen durch das ehemalige Ost‑Berliner Polizeigefängnis in der Keibelstraße an. Damit wollte sie daran erinnern, dass das seit 1996 leer stehende Gefängnis ein wichtiger und bislang unzugänglicher Berliner Erinnerungsort ist. Auch während des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 spielte das Gebäude eine bedeutende Rolle: Die Aufständischen versuchten damals vergeblich, das Polizeipräsidium zu besetzen und die politischen Gefangenen zu befreien. Nach der Niederschlagung des Aufstands waren hier viele Demonstranten in Haft. Zusammen mit ehemaligen Häftlingen setzt sich die Gedenkstätte dafür ein, dass das Gefängnis dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.



Der gezielte Kontakt zu Mitgliedern bzw. Freunden des Fördervereins, die als Bundes‑, Landes‑ und Kommunalpolitiker zu unseren Unterstützern zählen, wird vom Vorstand des Fördervereins zusammen mit der Leitung der Gedenkstätte intensiv gepflegt. Derzeit gehören dem Förderverein 10 Mandatsträger an (5 MdB, 1 MdA, 3 MdL, 1 BVV).
Der Vorstand dankt ausdrücklich allen Mitgliedern för ihr Engagement im zu Ende gehenden Jahr, das sich unterschiedlich ausdrückt; in Form von Spenden, in Form von Ratschlägen und in Form der Mitarbeit im „Nachrichteninfo”. Der Arbeitsaufwand ist 2015 erheblich gestiegen, nicht zuletzt aufgrund der Revision. Ungeachtet der erwähnten Einschränkungen hat der Vorstand gleichwohl zahlreiche Aufgaben bewältigt. Die Verleihung des Hohenschönhausen‑Preises bedeutet zweifellos für 2016 einen erhöhten Arbeitsaufwand. Die Handlungsfähigkeit des neuen Vorstands wird nur gewährleistet sein, wenn er seine Arbeit reorganisiert mit der zwangsläufigen Folge, dass die zeitliche Belastung der einzelnen Mitglieder zunimmt. Der neue Vorstand muss prüfen, ob er gemäß § 8 (3) 1 der Satzung von der Möglichkeit Gebrauch macht und zeitweise eine Honorarkraft einstellt.
Und zum Schluss eine erfreuliche Selbstverständlichkeit: Die Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand des Fördervereins und der Gedenkstätte verlief weiterhin außerordentlich reibungslos und sehr vertrauensvoll. Diese Basis ist konstitutiv für unsere Arbeit.